Mehr als leere Versprechen? So soll Barca gerettet werden

SPORT1
·Lesedauer: 6 Min.

Rund zwei Monate nach dem Rücktritt von Josep Maria Bartomeu bahnen sich beim FC Barcelona die Wochen der Wahrheit an.

Denn am 24. Januar steigt die Wahl des neuen Barca-Präsidenten.

Bis zum 11. Januar haben die Kandidaten noch Zeit, Unterschriften von Klubmitgliedern zu sammeln. Um zur Wahl zugelassen zu werden, müssen es mindestens 2257 sein.

Derzeit gibt es neun ernsthafte Anwärter auf den Posten. Einer davon soll nach Bild-Informationen sogar heiß auf den kürzlich bei Paris Saint-Germain entlassenen Thomas Tuchel sein.

SPORT1 zeigt, was die Kandidaten den Barca-Anhängern sonst noch versprechen:

- Víctor Font

Einer der Favoriten auf die Nachfolge von Bartomeu. Möchte Xavi zurückholen, um ihn nach dem Vorbild von Sir Alex Ferguson bei Manchester United zum "General Manager" von Barca zu machen.

Der 48-Jährige plant zudem, im Falle des Wahlsieges Jordi Cruyff, den Sohn von Barca-Ikone Johan Cruyff, zum Sportdirektor zu machen.

Tippkönig der Königsklasse gesucht! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden

Bei El Nacional verriet Font, dass er auch den Trikotsponsor ändern möchte: "Wir haben einen Plan, der Teil eines ambitionierteren Plans im sozialen Bereich ist, der vorsieht, UNICEF wieder auf das Trikot zurückzuholen."

Font, der in der Vergangenheit großspurig angekündigt hatte, Koeman entlassen zu wollen ("Wenn ich Präsident werde, wird Koeman nicht mehr Trainer sein"), ruderte diesbezüglich zuletzt zurück: "Wir müssen ihm das maximale Vertrauen geben. [...] Wenn es mit Koeman schief geht, wird Xavi nächstes Jahr der Trainer sein."

- Joan Laporta

War bereits von 2003 bis 2010 Präsident Barcas. Laporta will alles daran setzen, dass Messi bleibt. Dafür ist der Rechtsanwalt nicht nur bereit, tief in die Tasche zu greifen. "Was ich ihm zurückgeben möchte, ist seine Fröhlichkeit. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, dafür muss man ein wettbewerbsfähiges Team zusammenstellen", sagte Laporta bei Radio Marca und COPE.

Der 58-Jährige verriet zuletzt zudem, dass er in Kontakt mit Mateu Alemany, Ex-Valencia-Sportchef, über ein mögliches Engagement steht: "Es gibt die Möglichkeit, dass er Teil meines Projektes ist." Weitere potenzielle Neuverpflichtungen wollte der Spanier aber nicht nennen, "um die Mannschaft nicht zu destabilisieren".

- Toni Freixa

Kündigte bei Spox und Goal an, Trainer Ronald Koeman den Rücken stärken zu wollen. "Ronald Koeman ist der Trainer. Der Klub braucht Stabilität. An Johan Cruyff hat man trotz zweier Spielzeiten festgehalten, die nicht die besten waren - und dann hat er vier Meisterschaften gewonnen."

Xavi werde zwar früher oder später die Chance bekommen, Trainer zu werden, der Zeitpunkt sei jedoch noch nicht gekommen.

Anders als für viele seiner Kontrahenten steht für Freixa nicht der Verbleib Messis über allem. "Das Wichtigste an Barca ist der Klub. Wir sind von niemandem abhängig. Messi ist alles gewesen, und er muss weitermachen - ich will, dass er weitermacht, aber eines Tages wird er dennoch gehen müssen. Das ist keine Frage, die mir den Schlaf raubt."

Der gebürtige Katalane machte zudem klar: "Ein Spieler, der das Trikot von Real Madrid getragen hat, kann nicht das Barca-Trikot tragen."

Im Falle eines Sieges von Freixa würde wohl Ex-Barca-Verteidiger Lluís Carreras neuer Sportchef werden.

- Emili Rousaud

Im April 2020 nach Korruptionsvorwürfen von seinem Amt als Vizepräsident zurückgetreten. Plant, das Stadion in "Camp Nou Leo Messi" umzubenennen.

Machte zuletzt immer wieder auf sich aufmerksam, indem er den Fans im Falle des Wahlsiegs teure Neuzugänge versprach, darunter Erling Haaland und Neymar.

Dass Rousaud sich mit Haalands Berater Mino Raiola gar über einen Wechsel des Norwegers einig sei, verneinte der Italiener bei SPORT1.

Über eine Rückkehr des Brasilianers sagte Rousaud: "Ein Wechsel ist aktuell unmöglich, aber wenn sein Vertrag 2022 ausläuft" werde man alles unternehmen, um ihn zu verpflichten. "Wir haben mit seinen Beratern Kontakt aufgenommen und die Möglichkeit seiner Rückkehr angesprochen."

- Xavi Vilajoana

War Teil des Vorstands unter Bartomeu, dabei unter anderem für La Masia zuständig. Daher steht die Wiederbelebung der Talentschmiede auch im Zentrum der Pläne des 47-Jährigen.

La Liga ist zurück! DAZN gratis testen und internationalen Fußball live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Vilajoana träumt davon, dass mittelfristig die Hälfte aller Spieler im Kader aus der eigenen Jugend kommen. Bei Cadena SER sagte er: "Ein Spieler von außerhalb, egal wie gut er ist, wird einen Spieler aus dem eigenen Hause [...] niemals übertreffen. In drei oder vier Jahren könnten 50 Prozent der ersten Mannschaft aus Spielern des Jugendsystems bestehen."

- Jordi Farré

Organisator des Misstrauensvotums. Kurios: Jedes Vereinsmitglied, das seine Bewerbung unterzeichnet, erhält eine kostenlose Pizza sowie ein Barca-Tattoo.

Sollte Farré das Rennen machen, dürfte es eine Veränderung auf der Trainerbank geben. Da Xavi jedoch möglicherweise noch nicht bereit sei, arbeitet der Geschäftsmann nach eigenen Angaben an einer Rekrutierung von Welttrainer Jürgen Klopp. "Wir haben mit dem Umfeld von Klopp gesprochen. Er ist ein Trainer, den wir mögen, ein Gewinner mit Charakter und Disziplin. Wir glauben, dass der Verein genau das braucht", sagte der Präsidentschaftskandidat bei Spox und Goal.

Farré machte zudem zuletzt ein großes Versprechen: Wenn er Präsident werde, werde Messi am nächsten Tag verlängern.

Der 45-Jährige plant außerdem, mittelfristig Katalonien zum neuen Trikotsponsor zu machen.

Geht es nach Farré, soll zudem Neymar in den Norden Spaniens zurückkehren.

- Agustí Benedito

Kandidiert zum dritten Mal in Folge für den Posten des Barca-Präsidenten. Erklärte bei seiner Präsentation: "Wenn wir die Wahl gewinnen, werden wir ein neues Stadion bauen." Der Unternehmer ist sich jedoch auch der finanziellen Situation des Vereins bewusst, weshalb er anmerkte, die Lohnkosten um 40 oder 50 Prozent senken zu wollen.

Der 56-Jährige möchte Sevillas Monchi als neuen Sportdirektor installieren. "Ich halte ihn für einen der drei besten der Welt, er ist meine erste Wahl für Barca. Wenn ich gewählt werde und ihn anrufe, bin ich überzeugt, dass ich ihn trotz der Tatsache, dass er ein Sevillista ist, überzeugen kann."

- Lluís Fernández Alà

Will den Fokus wieder verstärkt auf die Jugendarbeit lenken. Kündigte bei der Vorstellung seiner Kandidatur an: "Der Eckpfeiler unseres Projekts wird La Masia sein." Zentral sei dabei "die Förderung und der Erhalt von Talenten".

Neuer Chef der Jugendakademie soll Albert Benaiges werden. Der 71-Jährige arbeitete bereits von 1990 bis 2003 und von 2005 bis 2011 in La Masia und gilt unter anderem als Entdecker von Gerard Piqué, Andrés Iniesta und Sergi Roberto.

Bei der Marca verriet der Geschäftsmann ferner seinen Wunschkandidaten für die Trainerbank: "Wir mögen Francisco García Pimienta (Trainer der zweiten Mannschaft Barcas, Anm. d. Red.). Wir sind sicher, dass er der neue Guardiola sein wird."

- Pere Riera

Gilt als krasser Außenseiter. Der 54-Jährige möchte den finanziell in Schieflage geratenen Verein in erster Linie wieder stabilisieren.

"Wenn ich Präsident werde, werde ich alle Teppiche anheben, damit alle die wahre wirtschaftliche Situation des Klubs kennen. Wir werden die Situation analysieren und lösen. Wir werden nach den profitabelsten und optimalen Formeln suchen, damit Barca ein finanziell transparenter Verein wird", kündigte der Kandidat an.

Geht es nach Riera, soll statt auf teure Neuzugänge wieder vermehrt auf Eigengewächse gesetzt werden. Der Spanier machte deutlich: "La Masia muss erhalten bleiben, um die Blaugrana-DNA nicht zu verlieren."