Präsidentschaftswahl in Taiwan entscheidet über künftige Haltung gegenüber China

In Taiwan hat am Samstag die Präsidentschaftswahl begonnen. Staatschefin Tsai Ing Wen kandidiert für eine zweite Amtszeit; die Unabhängigkeitsbefürworterin gilt als Favoritin. Ihr Rivale Han Kuo Yu setzt sich für eine Annäherung an Peking ein

Die Taiwaner haben am Samstag einen neuen Präsidenten gewählt. Der Urnengang gilt als entscheidend für Taiwans künftige Haltung gegenüber China. Staatschefin Tsai Ing Wen kandidierte für eine zweite Amtszeit und gilt als Favoritin. Die Unabhängigkeitsverfechterin lag in den letzten Umfragen deutlich vor ihrem Rivalen Han Kuo Yu von der oppositionellen Kuomintang-Partei. Dieser setzt sich für eine Annäherung an Peking ein, von dem sich Taiwan 1949 abgespalten hatte.

Die Wahllokale schlossen um 16.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MEZ), erste Ergebnisse wurden für die Abendstunden erwartet.

Seit dem Amtsantritt von Tsai, einer offenen Befürworterin der pro-demokratischen Bewegung in Hongkong, im Jahr 2016 hatten sich die Spannungen zwischen Peking und Taipeh verschärft. China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit der Volksrepublik vereinigt werden soll - notfalls auch mit Gewalt. Taiwan ist international zunehmend isoliert. Nur noch 15 Länder pflegen diplomatische Beziehungen mit Taipeh.

Sie hoffe, dass die Taiwaner von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten und Taiwans Demokratie damit stärkten, sagte Tsai nach der Stimmabgabe in Taipeh. Ihr Konkurrent Han wollte sich nicht äußern. Im Wahlkampf hatte er den Urnengang jedoch als Entscheidung zwischen "Frieden oder Krise" dargestellt.