Präsidentschaftskandidaten in Costa Rica debattieren hinter Gittern

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Präsidentschaftskandidaten debattieren im Gefängnis

Präsidentschaftskandidaten in Costa Rica haben ein Gefängnis in eine politische Arena verwandelt. Sieben Politiker mit Ambitionen auf das höchste Staatsamt führten am Freitag eine Debatte in der größten Haftanstalt des Landes und stellten sich den Fragen der Insassen. "Ich hoffe, Sie fühlen sich wie zu Hause", sagte einer der Häftlinge bei der Diskussion in der Sporthalle des Gefängnisses La Reforma nahe der Hauptstadt San José.

Bei der von der Universität von Costa Rica organisierten Diskussion wurden viele Fragen nach den Haftbedingungen gestellt. Unter anderem wurden auch die Rechte homosexueller Paare thematisiert.

In Costa Rica finden am 4. Februar Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, auch Strafgefangene dürfen ihre Stimme abgeben. An der Diskussion durften lediglich Insassen teilnehmen, die kurze Haftstrafen absitzen oder die sich in der Haft vorbildlich verhalten haben.

Costa Ricas Präsident Luis Guillermo Solis darf nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal zur Wahl antreten. Als aussichtsreichster Kandidat gilt derzeit laut Umfragen der oppositionelle Abgeordnete Antonio Álvarez Senati. Er stellte sich ebenso den Fragen der Gefangenen wie der ehemalige Arbeitsminister Carlos Alvarado.

Der Zweitplatzierte in den Umfragen, der frühere Sicherheitsminister Juan Diego Castro, blieb der Diskussion fern. Er hatte sich als Minister für einen harten Umgang mit Kriminellen stark gemacht und Forderungen nach einer Reduzierung der Häftlingszahlen eine Absage erteilt. Die Gefängnisse des Landes sind überbelegt, die Haftbedingungen gelten als schlecht.