Präsidentenwahl in Tschechien fortgesetzt

In Tschechien ist die Präsidentenwahl fortgesetzt worden. Amtsinhaber Milos Zeman gilt als Favorit in der ersten Runde. Bei einer Stichwahl in zwei Wochen könnte laut Umfragen aber sein proeuropäischer Herausforderer Jiri Drahos gewinnen

In Tschechien ist die Präsidentenwahl am Samstag fortgesetzt worden. Amtsinhaber Milos Zeman gilt als Favorit in der ersten Runde, doch wird er nach jüngsten Meinungsumfragen in die Stichwahl gehen müssen. Die größten Chancen, in zwei Wochen in der Stichwahl gegen den 73-jährigen Staatschef anzutreten, werden dem 68-jährigen Chemieprofessor Jiri Drahos eingeräumt. Die beiden Kandidaten stehen für einen prorussischen beziehungsweise proeuropäischen Kurs Tschechiens.

Der ehemalige Kommunist Zeman setzt sich für gute Beziehungen zu Moskau und Peking ein und lehnt Einwanderer aus muslimischen Ländern ab. In der Vergangenheit sprach er von einer "organisierten Invasion" und sagte, es sei "unmöglich, Muslime zu integrieren". Seit 2013 steht er an der Spitze des tschechischen Staates.

Seine acht Rivalen vertreten deutlich liberalere, proeuropäische Positionen. So setzt sich der aussichtsreichste Herausforderer Drahos für eine stärkere Rolle Tschechiens in der EU sowie für eine Einführung des Euro ein. In einer klaren Kritik an Zemans Positionen sagte Drahos bei seiner Stimmabgabe am Freitag, der künftige Präsident sollte die "pro-westliche Orientierung" Tschechiens verteidigen.

Laut einer aktuellen Umfrage des tschechischen Fernsehens könnte Drahos, der der ehemalige Vorsitzende der tschechischen Akademie der Wissenschaften ist, Zeman in der Stichwahl mit 48,5 zu 44 Prozent schlagen. Die Wahllokale schließen am Samstag um 14.00 Uhr. Kurz darauf dürften erste Ergebnisse einen Hinweis geben, wer in die Stichwahl am 26. und 27. Januar kommt.

Überschattet wurde der erste Wahltag am Freitag von einem Zwischenfall bei Zemans Stimmabgabe. Kurz nach Zemans Eintritt in das Wahllokale stürzte eine ukrainische Femen-Aktivistin mit nacktem Oberkörper auf den Präsidenten zu und beschimpfte ihn mehrmals als "Putins Nutte", bevor sie von seinen Leibwächtern überwältigt wurde. Der Vorfall sorgte in den sozialen Netzwerken für heftige Empörung und Mitgefühl für den 73-jährigen Präsidenten. Nach Einschätzung von Experten könnte er seine Aussichten auf einen Wahlsieg positiv beeinflussen.