Präsident der irakischen Kurdenregion tritt zurück

Der Präsident der autonomen Kurdenregion im Nordirak, Massud Barsani, gibt sein Amt am Mittwoch ab. Sein Mandat endete eigentlich bereits 2013. Das Parlament hatte es zwei Mal verlängert

Der Präsident der autonomen Kurdenregion im Nordirak, Massud Barsani, hat seinen Rücktritt erklärt. Er gebe sein Amt zum 1. November ab, erklärte der 71-Jährige in einem am Sonntag vor dem Regionalparlament verlesenen Brief. Während der Parlamentsdebatte über eine vorläufige Machtaufteilung nach Barsanis Rücktritt zogen Dutzende mit Knüppeln und Steinen bewaffnete Menschen vor die Volksvertretung.

Barsanis Brief wurde vor den Abgeordneten in Erbil unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen. "Nach dem 1. November werde ich meine Funktionen nicht mehr ausüben und ich lehne es ab, dass mein Mandat verlängert wird", hieß es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

Barsani hatte trotz interner Widerstände die Kurden am 25. September über die Unabhängigkeit abstimmen lassen. Sie stimmten praktisch geschlossen für die Abspaltung von Bagdad. Daraufhin startete die irakische Zentralregierung eine Militäroffensive, bei der sie den Kurden praktisch alle Gebiete außerhalb der Autonomieregion abnahm.

Barsani sprach in diesem Zusammenhang am Sonntag in einer Fernsehansprache von "Hochverrat". Damit wandte er sich offenbar gegen die Kurdenpartei PUK, deren Kämpfer sich kampflos aus der Region Kirkuk mit ihren großen Ölfeldern zurückgezogen hatten. Am Sonntag überließen die Kurden der irakischen Armee die Kontrolle über den strategisch wichtigen Grenzübergag Fischchabur, durch den eine wichtige Öl-Pipeline in die Türkei verläuft.

Insbesondere der Verlust der Ölförderregion um Kirkuk ist ein schwerer Schlag für die Kurden. Das Debakel hat die bestehenden Spannungen zwischen den großen Kurdenparteien PUK und DPK weiter verschärft.

Viele Kurden geben Barsani eine Mitschuld. Wegen des Streits wurden bereits die für den 1. November angesetzten Wahlen in der Autonomieregion verschoben. Forderungen nach einem Rücktritt Barsanis waren in den vergangenen Tagen immer lauter geworden.

Bei der Parlamentsdebatte nach Barsansis Rücktrittserklärung ging es um die vorläufige Aufteilung der verschiedenen Machtbereiche bis zur Präsidentschaftswahl, deren Termin noch nicht feststeht. Ursprünglich sollten am 1. November gleichzeitig Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden. Barsanis Mandat als Präsident endete eigentlich bereits 2013. Das Parlament hatte es zwei Mal verlängert.

Während der Parlamentssitzung versammelten sich Menschen mit Knüppeln und Steinen vor der Volksvertretung. Sie schlugen dort wartende Journalisten, wie mehrere Medien und Parlamentarier berichteten. Sicherheitskräfte feuerten Warnschüsse in die Luft, um die Menge auseinanderzutreiben, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Die Opposition lehnt die von Barsanis Demokratischer Partei Kurdistans (DPK) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) vorgeschlagene Machtaufteilung ab. Zur Opposition gehört unter anderem die Goran-Partei, die sich für Barsanis Rücktritt einsetzte und eine "Regierung des nationalen Heils" fordert.

Der Goran-Abgeordnete Rabun Maarouf sagte vor der Parlamentssitzung, Barsani symbolisiere das "Scheitern der kurdischen Politik". Das Einzige, was ihm bleibe, sei "öffentlich um Verzeihung zu bitten".

Bei der Präsidentschaftswahl tritt als einziger Bewerber der Goran-Politiker Mohammed Tofik Rahim an. Der 64-jährige ehemalige Kämpfer der kurdischen Peschmerga-Milizen war in der ersten Regierung nach dem Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein 2003 Industrieminister.