Wie lange kann sich der Sparkassenpräsident noch halten?

Nach den Ermittlungen wegen des Verdachtes auf Steuerhinterziehung steigt der Druck auf Sparkassenpräsident Fahrenschon. Der Verband hat ein Krisentreffen einberufen – und hofft, dass Fahrenschon freiwillig geht.


Für den amtierenden Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) wird es immer enger: Einem Zeitungsbericht zufolge hat der Sparkassenverband für Dienstag ein Krisentreffen anberaumt. Hintergrund sei die Steueraffäre von Präsident Georg Fahrenschon, berichtete die „Bild am Sonntag“. Bei dem Treffen könnte das Aus von Präsident Fahrenschon besiegelt werden, hieß es unter Berufung auf Sparkassen-Kreise.

Es scheint, als seien die Tage von Georg Fahrenschon an der DSGV-Spitze gezählt. Angesichts der Steueraffäre des obersten Sparkassenchefs machen die Regionalverbände hinter den Kulissen mächtig Druck: Der 49-Jährige soll offenbar die Konsequenzen ziehen und sein Amt aufgeben, berichtet die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich auf Sparkassenkreise. „Er hat das klare Signal erhalten, dass es so nicht weitergeht“, hieß es. Eine Entscheidung wird vom mächtigen Verbandspräsidenten demnach bis Dienstag erwartet.

Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre Fahrenschon bereits in dieser Woche für eine zweite Amtszeit Jahre als Präsident des DSGV wiedergewählt worden. Doch der Sparkassenverband hat die Wiederwahl von Fahrenschon angesichts der Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung kurzfristig verschoben. Der Verband wolle zunächst den Ausgang des Strafprozesses abwarten, der auf Fahrenschon nun zukommt, hieß es. Das sei möglich, da sein Vertrag ohnehin eine Laufzeit bis Mai 2018 habe.


Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft München beim zuständigen Amtsgericht einen Strafbefehl wegen Verdachtes auf Steuerhinterziehung gegen Fahrenschon beantragt. Der ehemalige bayerische Finanzminister räumte zwar ein, seine Steuererklärungen für die Jahre 2012 bis 2014 verspätet, nämlich erst im vergangenen Jahr, beim Finanzamt eingereicht zu haben. Eine Steuerhinterziehung aber streitet er ab. Mittlerweile hat er seine Steuern gezahlt. Das Münchner Amtsgericht sieht mit der langen Verspätung den Tatbestand der Steuerhinterziehung jedoch gegeben und hat einen Strafbefehl erlassen.

Fahrenschon würde gern Präsident des DSGV mit seinen rund 390 Kreissparkassen bleiben. Bei den Vorständen warb er vor wenigen Tagen: „Ich würde gern weiterhin daran arbeiten, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.“ Dass er die Gelegenheit dazu bekommt, wird immer unwahrscheinlicher.

Neben der mutmaßlichen Steuerhinterziehung wird dem früheren bayrischen Finanzminister vor allem angekreidet, den Strafbefehl gegen seine Person monatelang verheimlicht zu haben. „Er versuchte, uns auszutricksen. Dieser Vertrauensbruch ist genauso schlimm wie die Steuerhinterziehung“, zitierte die „Bild am Sonntag“ ein nicht namentlich genanntes Präsidiumsmitglied. Fahrenschon soll den Strafbefehl bereits im Frühjahr erhalten haben.


Fahrenschon versucht zu retten, was zu retten ist. In einem Interview mit dem Handelsblatt und einer persönlichen Erklärung gegenüber den Vorständen der Sparkassen-Finanzgruppe räumte er Fehler ein. Er habe „eine Riesendummheit“ begangen. Er habe seine privaten Einkommens- und Umsatzsteuererklärungen für die Jahre 2012 bis 2014 deutlich verspätet beim Finanzamt München abgegeben. Das sei natürlich kritikwürdig, aber keine Straftat.

Deswegen habe er den Strafbefehl nicht akzeptiert, sondern bittet das Amtsgericht um eine vollständige und gerechte Bewertung des Sachverhalts. Das kann sich in die Länge ziehen. Die Geduld seines Verbandes aber scheint knapp.