Powerfrau von HPE sucht neue Aufgaben


Noch vor wenigen Monaten war sie als neue Chefin des angeschlagenen Fahrdienstvermittlers Uber im Gespräch. Die Gerüchte wies sie allerdings zurück und erklärte, sie bleibe Chefin bei Hewlett-Packard Enterprise (HPE): „Es gibt noch viel zu tun und ich werde nirgendwo hingehen.“

Doch jetzt tritt die Milliardärin und Silicon-Valley-Veteranin Meg Whitman zurück. Der Nachfolger ist schon erkoren: Zum 1. Februar 2018 wird HPE-Top-Manager Antonio Neri nachrücken, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Die 61-jährige Whitman kündigte an, Aufsichtsrat von HPE zu bleiben. Doch schon werden erste Stimmen laut, die von einer politischen Karriere der früheren Ebay-Chefin sprechen.

„Achten sie drauf. Sie wird für die Präsidentschaft kandidieren“, sagte Kevin O’Leary, Chef von O Shares ETF Investment auf CNBC TV. „Die Chancen stehen 50:50.“ Das wäre sicher Donald Trumps schlimmster Albtraum: Whitman hatte 2010, damals noch für die Republikaner, für die Kandidatur um den Gouverneursposten in Kalifornien gekämpft. Sie ist gestählt in politischer Diskussion und politisch gut vernetzt. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 hatte sie allerdings die Demokratin Hillary Clinton favorisiert und sich harte Wortgefechte mit Trump geliefert.



Whitman selbst spielte die Spekulationen um ihre Person in einem Gespräch mit Reuters herunter. „Ich werde in der Politik tätig bleiben und Kandidaten beider Lager unterstützen, deren Werte ich teilen kann“, sagte sie der Nachrichtenagentur. „Daneben habe ich aber keine Pläne, direkt anzutreten.“

Aber es bleibt ja noch viel Zeit bis zur nächsten Wahl und die Demokraten suchen händeringend eine starke Kandidatin. Zudem ließ Whitman durchblicken, dass die aktuelle republikanische Partei derzeit nicht ihren Vorstellungen entspricht.

Ruhestand, da sind sich Beobachter in Washington und im Silicon Valley einig, ist für Whitman jedenfalls keine Option. Mit geschätzten 2,8 Milliarden Dollar Vermögen muss sie nicht mehr arbeiten gehen, aber das war auch schon so, als sie HP übernahm.

Einige glauben, sie könnte mit ihrem Ruf als Saniererin weiter in der Industrie arbeiten. Namen wie der Spielzeughersteller Hasbro tauchen auf. Der könnte nach einer Fusion mit Mattel Whitman als Chefin anheuern, um die Konzerne zusammenzuführen. Vor ihrem Gang zu Ebay war Whitman bei Hasbro bereits in leitender Position tätig. Zu einem direkten Konkurrenten von HPE werde sie jedenfalls nicht wechseln, erklärte sie in einem Analystengespräch am Dienstag.



Whitman rettete den Computer-Pionier

Die Führung beim Computer-Pionier Hewlett-Packard, dem ersten Start-up des Silicon Valley aus der berühmten HP-Garage heraus, übernahm Whitman 2011, als das Unternehmen nach zahllosen Vorstandwechseln, Aufsichtsratsskandalen und falschen Produktentscheidungen mitten in einer tiefen Krise steckte.

Sie strich zehntausende Arbeitsplätze und trennte 2015 die Sparten Computer und Drucker in ein eigenes Unternehmen, HP Inc., ab. Die Angebote mit Computerservern und Datenspeichern für Firmen zur Auslagerung von IT-Diensten ins Internet bündelte sie bei HPE und übernahm dort den Chefposten. Anschließend spaltete sie Consulting und Software von HPE ab und brachte die Sparten in Partnerschaften ein.

HP Inc. legte jüngst eine optimistische Prognose für das Geschäftsjahr 2018 vor und Whitman selbst lieferte vor ihrem Ausscheiden für HPE noch ein Quartalsergebnis ab, das in Teilen über den Erwartungen lag. Die HPE-Aktie gab im nachbörslichen Hand an der Wall Street dennoch um bis zu sieben Prozent nach. Die Papiere von HP Inc., verloren gut vier Prozent.



Der Grund für die Kursrückgänge liegt wohl an Whitmans wechselhafter aber letztlich erfolgreichen Arbeit bei HP seit 2011 und bei HPE seit der Aufspaltung. „Die vergangenen sechs Jahre hat sie unermüdlich daran gearbeitet, Stabilität, Stärke und Widerstandskraft zurück in diese Ikone der Industrie zu bringen“, sagte Paul Russo, Aufsichtsratschef von HPE.

Die Sorge der Investoren könnte sein, dass mit Whitmans Abgang das alte Chaos wieder Einzug hält. Außerdem ist der Turnaround gerade erst eingeleitet und viele hatten gehofft, Whitman würde bis zur kompletten Umsetzung an Bord bleiben. Der 50-jährige Antonio Neri, der lange mit Whitman gearbeitet hat, wird von Anfang an den Befürchtungen der Investoren vehement entgegentreten müssen.

Neri kam 1995 zu HP und leitete das größte Segment des Konzerns, Server, Speicher und Netzwerke, bevor er 2015 zum President von HPE ernannt wurde. Er erklärte, seine Ziele seien es, die Umsetzung der Strategie weiter zu verfolgen, die Innovationsagenda voranzutreiben und den Shareholder-Value zu stärken. Die Wall Street wird ihn beim Wort nehmen.