Powell ist der logische Kandidat für Trump


Mehrere US-Medien haben erfahren, dass US-Präsident Donald Trump in den kommenden Tagen - wahrscheinlich am Donnerstag - Jerome Powell als Nachfolger von Janet Yellen als Chef der US-Notenbank (Fed) vorschlagen will. Ein winziger Rest von Unsicherheit bleibt noch. Aber es spricht alles dafür, dass Trump mit Powell die Wahl trifft, die für ihn selber am Besten und Unkompliziertesten ist.

Der 64-jährige Powell ist seit gut fünf Jahren schon Fed-Gouverneur. Er ist gelernter Jurist und hat in der Vergangenheit zeitweise als Investmentbanker, im US-Finanzministerium und bei der Beteiligungsgesellschaft Carlyle gearbeitet.

Anders als Yellen und deren Vorgänger Ben Bernanke ist er kein Ökonom mit akademischen Weihen. Laut Peter Hooper von der Deutschen Bank, der Powell schon lange für einen Favoriten bei der Yellen-Nachfolge hält, kann Powell aber geldpolitische Probleme sehr überzeugend auch vor einem ausgefuchsten Fach-Publikum erläutern.


Geldpolitisch gilt Powell als Yellen nahestehend. Das heißt, er wird einen vorsichtigen Kurs einschlagen, um zu vermeiden, dass mit zu schnellen Zinserhöhungen die Konjunktur abgewürgt wird. Bei seinen Kollegen ist er angesehen, sodass es zu keinen Reibungen kommen dürfte, wenn er das begehrte Amt bekommt. Politisch gilt er als den Republikanern nahestehend und dürfte daher den Senatoren aus Trumps Partei leichter zu vermitteln sein als es eine zweite Amtszeit für Janet Yellen. Der Senat muss der Ernennung zustimmen.

Powell gilt in Fragen der Bankenregulierung als etwas großzügiger als Yellen, aber keineswegs als radikal. US-Finanzminister Steven Mnuchin hat sich mehrfach positiv über ihn geäußert. Mnuchin will die Auflagen für Banken erleichtern, aber seine bisherigen Vorschläge sind recht moderat. Powell und er werden auf dem Gebiet wahrscheinlich zu gemeinsamen Vorschlägen kommen können.

Alles in allem ist Powell daher die logische Wahl für Trump: Ruhe an der geldpolitischen Front, Flexibilität bei Aufsichtsfragen. Weil der gesamte Finanzbereich kein Kernthema ist, mit dem er seine Anhängerschaft begeistern muss, scheint eine ruhige, pragmatische Lösung möglich zu sein.