Post-Holiday-Syndrom: Woher es kommt und wie ihr den Blues am Tag nach eurem Urlaub verhindern könnt

·Lesedauer: 4 Min.

Urlaub ist etwas Tolles – wenn nur nicht dieser Montag danach wäre. Statt am Strand sitzen wir zum ersten Mal wieder im Bürostuhl. An weite Berglandschaften, Prachtbauten oder kristallklares Meer erinnert uns allenfalls noch der Bildschirmschoner. Stattdessen lässt die Zahl über dem Icon unseres Mail-Postfachs Böses erahnen. Obwohl wir eigentlich entspannt sein sollten, fühlen wir uns müde und lustlos. Kaum wieder im Arbeitsalltag angekommen, wünschen wir uns sehnlichst auf die Sonnenliege zurück.

Post-Holiday-Syndrom nennen Arbeitspsychologen dieses Leistungs- und Stimmungsloch. Unsere Laune ist schlecht, die Motivation geht gegen Null. Das kommt sogar relativ häufig vor: Umfragen zufolge sind etwa zwei Drittel aller Arbeitnehmer davon betroffen.

Laut dem Arbeitspsychologen Hannes Zacher entsteht das Post-Holiday-Syndrom vor allem dann, wenn die Arbeitsbelastung direkt nach dem Urlaub extrem hoch ist. Die To-Do-Liste ist während der Abwesenheit noch länger geworden. Am anderen Ende der Telefonleitung wartet schon der schwierige Kunde, der uns auch schon vor zwei Wochen zur Weißglut getrieben hat. Kein Wunder also, dass die Erholung binnen weniger Stunden oder Tage verpufft.

Das zeigen auch verschiedene Studien. Spätestens ein bis zwei Wochen nach dem Urlaub, so Zacher, seien Arbeitnehmer in der Regel wieder auf dem gleichen Stresslevel wie zuvor. „Einen längeren Erholungseffekt messen wir eigentlich nie“, sagt der Arbeitspsychologe. Ein ähnliches Phänomen tritt übrigens auch nach Wochenenden auf. Das nennt sich dann Montags-Blues.

Die Folgen reichen vom Motivationtief über Erschöpfung bis hin zu gesundheitlichen Problemen, wie schlechtem Schlaf oder Kopfschmerzen. Ein Teufelskreis, wie Zacher sagt. Denn schließlich ist Urlaub doch eigentlich dafür da, sich zu regenerieren statt runterzuziehen.

Was also tun, damit wir nicht direkt nach dem Urlaub gleich wieder neuen brauchen? Die Antwort ist in der Theorie einfach, scheitert in der Praxis aber meist krachend. Denn das Geheimnis lautet, Stress zu reduzieren. Wer nach dem Urlaub sofort wieder ins Hamsterrad steigt, darf sich nicht wundern, wenn sich in kurzer Zeit wieder Demotivation und Frust einschleichen. Zacher nennt fünf Tipps, wie ihr dem Blues nach dem Urlaub vorbeugen könnt.

Arbeit delegieren statt anhäufen

Nichts stresst mehr als die Aussicht auf einen großen Haufen Arbeit. Anstatt diese einfach liegen zu lassen, solltet ihr dafür sorgen, dass die Kollegen eure Aufgaben während des Urlaubs übernehmen. Gegen ein überquellendes Postfach hilft eine Abwesenheitsnotiz mit der Message, dass alle Mails, die während eures Urlaubs ankommen, automatisch gelöscht werden – und sich der Absender doch bitte in zwei Wochen melden soll. Wem dieser Schritt (verständlicherweise) zu radikal ist, der kann auch einfach seine Ansprechpartner, Kunden oder Kollegen vor dem Urlaub darauf hinweisen, dass er die nächsten zwei Wochen nicht da ist. „Mein Postfach bleibt so erstaunlich leer“, sagt Zacher.

Nicht von 0 auf 100 starten

Ihr wollt nicht sofort wieder von eurer Arbeit erschlagen werden? Dann versucht, euch eine gewisse Schonzeit freizuschaufeln. Haltet euch zum Beispiel den ersten Tag von Terminen frei. So könnt ihr in Ruhe wieder in euren Rhythmus finden, stressfrei Mails beantworten und euch einen Überblick verschaffen. Noch besser ist, mit einer kurzen Woche einzusteigen – etwa erst am Mittwoch statt am Montag. Der unschlagbare Vorteil liegt hier auf der Hand: Ihr habt nach drei Tagen wieder Wochenende.

Kürzer, dafür häufiger Urlaub nehmen

Auch wenn sich vier Wochen Urlaub an der Copacabana traumhaft anhören ist es sinnvoller, Urlaub einzuteilen. Die Empfehlung lautet hier: Lieber kürzer – dafür regelmäßig. Versucht euch also, auch wenn es schwerfällt, immer mal wieder ein langes Wochenende einzurichten, statt euren kompletten Urlaub auf einmal zu verbraten.

Holt euch euren Urlaub ins Office

Nehmt euch etwas ins Büro mit, das euch an euren Urlaub erinnert. Das kann ein Souvenir, eine Postkarte oder ein Foto sein. Ein bisschen Urlaubsfeeling könnt ihr euch auch bewahren, indem ihr euren Lieblingskollegen lange und ausführlich von eurem Trip berichtet.

Bereitet euch mental vor

Detachment, also Abschalten, heißt das Zauberwort eines jeden Urlaubes. Genauso, wie ihr euch mental von der Arbeit abkoppelt, solltet ihr euch an diese auch wieder herantasten. Am besten plant ihr dafür mindestens das letzte Wochenende in eurer Urlaubszeit ein. Legt euren Trip also so, dass ihr zumindest noch zwei Tage in Ruhe zu Hause ankommen könnt. So habt ihr Zeit, euch am Sonntag auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag vorzubereiten.

Damit uns nicht gleich nach dem Urlaub das Stimmungstief ereilt, braucht es allerdings auch den richtigen Arbeitgeber. Denn Stress entsteht da, wo es keine anständige Erholungskultur gibt. "Leider ist in der deutschen Arbeitsethik Erholung nach wie vor verpönt", sagt Zacher. Statt Leistung honorieren viele Arbeitgeber Anwesenheit. Wer viele Pausen macht, der gilt also als faul. Ein fataler Fehler. Denn Erholung und Leistung gehen Hand in Hand. Erst wenn Arbeitgeber das wirklich begriffen haben, gibt es vielleicht auch kein Post-Holiday-Syndrom oder Montagsblues mehr.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.