Post-Chef Appel warnt vor Handelskrieg mit den USA

Der gelbe Riese will in ganz Europa vom Boom des Onlinehandels profitieren. Für Dieselfahrverbote sieht sich die Post gut gerüstet.


Angst vor einem drohenden Handelskrieg mit den USA setzt am Mittwoch nicht nur die Börsen unter Druck. Auch die Aktie von Europas größtem Logistikkonzern Deutsche Post schwächelte. An den vorgelegten Jahreszahlen für 2017 kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Der Postkonzern liegt mit gut 60 Milliarden Euro Umsatz und 3,74 Milliarden Euro operativem Ergebnis (Ebit) ziemlich exakt im Rahmen seiner eigenen Prognosen und auch der Erwartungen von Analysten.

Konzernchef Frank Appel wies allerdings darauf hin, dass die Post nicht direkt von einem Handelskries betroffen wäre. Denn die Dienstleistungen der Post würden ja nicht mit Zöllen belegt. Allerdings könnten Einschränkungen des Freihandels „dramatische psychologische Auswirkungen“ haben. Die Frage laute deshalb: „Wie werden sich unsere Kunden verhalten?“, sagte Appel auf der Bilanzpressekonferenz in Bonn.

Appel fände die Wirkung „verheerend, wenn Europa nun mit den USA in einen Handelskrieg ginge“. Die Erfahrung zeige, dass kein einziges Land jemals von Protektionismus profitiert habe, warnte der Manager.


Die Deutsche Post selbst expandiert mit Milliarden schweren Investitionen im E-Commerce- und Paket-Geschäft in Europa. Vor allem in Südosteuropa wurde die Präsenz auf jetzt 26 Länder inklusive Deutschland ausgebaut. Ziel sei es, die Zustellung flächendeckend in ganz Europa bis 2019 aufzubauen. Das kostet erst einmal Geld und beschere „Anfangsverluste“ in den neuen Ländern, sagte Appel. Aber es werde nicht mehr lange dauern bis das internationale Paketgeschäft größer sein wird als das in Deutschland.“

Auf ihrem Heimatmarkt erzielte die Post mit 1,3 Milliarden Pakete allein in Deutschland einen neuen Rekord, das waren 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz in diesem Geschäftsbereich – Post, E-Commerce, Parcel – kletterte 2017 um 6,4 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Das Ebit lag bei 1,5 Milliarden Euro und wird sich den Prognosen zufolge auch in diesem Jahr trotz Wachstums auf diesem Niveau bewegen.

Die Finanzanalysten von Bernstein merken allerdings kritisch an, wie lange der Wachstumstrend noch anhalten wird, ohne eine Beitrag zum Gewinn zu leisten.

Drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in deutsche Städten fürchtet die Post nicht. Vorstand Jürgen Gerdes versicherte, das Unternehmen sei in der Lage, solche Regionen „sehr zügig mit emissionsfreien Fahrzeugen beziehungsweise Euro-6-Dieselfahrzeugen abzudecken.“ Bislang sind nach seinen Angaben rund 5500 so genannte Streetscooter für die Post unterwegs. Diese elektrisch angetriebenen Lieferfahrzeuge entwickelt und baut der gelbe Konzern auf eigene Rechnung.


Neben Aachen entsteht ein zweites Werk in Düren am Niederrhein, das laut Gerdes ab Mitte des Jahres die Produktion aufnehmen wird. Unter anderem ist der Bau eines noch größeren Elektrotransporters geplant. Genaue Angabe darüber, wie viele Fahrzeuge in diesem Jahr gebaut werden sollen, konnte Gerdes nicht machen. Er sprach von 10.000 bis 15.000 E-Scootern.

Stabil ist nach Angaben des Unternehmens inzwischen wieder die Versorgung der Fastfood-Kette KFC in Großbritannien mit Hühnchen. Vor gut einer Woche mussten dort mehrere Filialen schließen, weil der Logistikpartner Deutsche Post nicht liefern konnte. Was genau zu diesem Engpass führe, werde aber noch untersucht.