Porsche SE erhöht Dividende und verringert Abhängigkeit von VW

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Porsche Cayenne

Die Porsche SE (WKN:PAH003) veröffentlichte kürzlich die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Neben der deutlichen Erhöhung der Dividende um 74 % auf 1,76 Euro pro Aktie steigert die Finanzholding ihre Anstrengungen zu mehr Unabhängigkeit von Volkswagen (WKN:766403).

Kommen wir aber zunächst zur Entwicklung von Volkswagen. Immerhin entfallen 90 % der Vermögenswerte von Porsche auf den 30,8 %-Anteil am VW-Konzern.

Die finanzielle Entwicklung der VW-Beteiligung und der Porsche SE

Neben der Porsche-Marke vereint der Volkswagenkonzern eine Vielzahl weiterer Marken unter seinem Dach – unter anderem auch Audi, Seat, Lamborghini und die Nutzfahrzeugsparten Scania und MAN. Aufgrund dieser Markenvielfalt ist der VW-Konzern wohl auch im Jahr 2017 mit 10,7 Millionen Fahrzeugauslieferungen der absatzstärkste Hersteller. Dicht gefolgt von Toyota, die im Geschäftsjahr 2018, welches bei den Japanern bis März 2018 reicht, 10,5 Millionen Fahrzeuge verkaufen möchten.

Auch die finanziellen Kennzahlen des VW-Konzerns zeigen diese unglaubliche Größe. Der Umsatz des VW-Konzerns erreichte mit 230,7 Milliarden Euro einen Bestwert. Selbst inklusive der wieder einmal deutlichen „Sondereinflüsse“ durch die Dieselthematik erreichte das operative Ergebnis einen Wert von 13,8 Milliarden Euro und damit ebenfalls einen Bestwert.

Diese Entwicklung kommt natürlich auch der Porsche SE zugute. Ein Konzernergebnis nach Steuern in Höhe von 3,3 Milliarden Euro bedeutet eine deutliche Steigerung gegenüber den 1,4 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Auf eine Aktie bezogen ergibt das ein Ergebnis in Höhe von 10,88 Euro.

Trotz Gewinnsteigerung klingelt es nicht allzu laut in der Porsche-Kasse

Bei einem Gewinn pro Aktie von 10,88 Euro erscheint die Dividendenerhöhung auf 1,76 Euro sehr knauserig. Aber Achtung, bevor sich Dividendenjäger über die wahnsinnig niedrige Ausschüttungsquote von 16 % beschweren oder daraus Dividendenerhöhungspotential für die Zukunft ableiten, sollten wir uns die Zahlen genauer ansehen.

Ganze 3,4 Milliarden Euro steuerte die Steigerung des Buchwertes der Volkswagen-Beteiligung zum Jahresergebnis bei. Diese Buchgewinne führen aber nicht zu klingenden Porsche-Kassen. Denn, lediglich die Dividendenausschüttung von 308 Millionen Euro führt bei Porsche zu einem Geldeingang.

Die jetzt vorgeschlagene Dividendenausschüttung, die Porsche dieses Jahr an seine Aktionäre überweist, wird sich auf einen Gesamtbetrag in Höhe von 538 Millionen Euro belaufen. Glücklicherweise hat auch der Volkswagen-Konzern eine deutliche Erhöhung der Dividendenzahlung angekündigt. Der diesjährige Dividendenscheck von Wolfsburg nach Stuttgart wird mit rund 600 Millionen Euro deutlich dicker ausfallen als noch letztes Jahr.

Zumindest die anstehende Dividendenausschüttung von Porsche sollte also gedeckt sein. Viel Spielraum für die angekündigte Investitionsoffensive, um die Abhängigkeit vom VW-Konzern zu reduzieren, bleibt dann aber möglicherweise nicht mehr.

Investitionsoffensive zur Verringerung der Abhängigkeit von VW

Die Beteiligung am VW-Konzern wird die finanzielle Leistungsfähigkeit von Porsche wohl noch auf Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte bestimmen. Dennoch fokussiert sich das Management der Porsche-Holding zunehmend auf weitere Investitionsmöglichkeiten entlang der automobilen Wertschöpfungskette.

Letztes Jahr wurde mit der PTV AG das allererste Unternehmen vollständig erworben. Der Kaufpreis lag bei rund 300 Millionen Euro. Die PTV AG bietet Softwarelösungen für Verkehrsplanung, Verkehrsmanagement und Transportlogistik an. In den letzten drei Monaten des Jahres 2017 erzielte die PTV AG Umsatzerlöse in Höhe von rund 30 Millionen Euro. Vergleicht man das mit dem erwarteten Dividendenerlös aus der VW-Beteiligung wird deutlich, wie lange es dauern wird und wie viel Geld benötigt wird, bis die Abhängigkeit vom VW-Konzern deutlich abnimmt.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Investitionsfokus von Porsche nicht nur auf etablierten Unternehmen wie der PTV AG liegt, sondern auch auf kleinen Start-ups. Die ersten Deals wurden mit Erwerb von jeweils einstelligen Unternehmensanteilen an Markforged und Seurat Technologies bereits abgeschlossen. Die Unternehmen sind beide in den Bereichen 3D-Druck aktiv.

Zukünftige Investitionsfelder sollen angeblich besonders in der Sensorik für autonomes Fahren, der Batterietechnologie oder auch fliegenden Autos liegen. Der Vorstand für Beteiligungsmanagement formuliert das Ziel dabei sehr klar:

Wenn wir auf die wichtigen Fragen in einer Zeit des Umbruchs in der Automobilindustrie die richtigen Antworten finden können, dann kann die Porsche SE als Unternehmen langfristig von unseren Investitionsentscheidungen profitieren – und damit auch unsere Aktionäre.

Lassen wir uns überraschen, wie sich das Porsche-Management als Wagniskapitalgeber und als Investor in etablierte Unternehmen schlagen wird. Die bisherige Leistungsbilanz ist derzeit noch deutlich zu kurz, um Rückschlüsse auf die Fähigkeiten des Managements zu ziehen.

Bei einem bin ich mir aber sicher: Es wird spannend sein, zu verfolgen, welche Investitionen Porsche künftig tätigen wird und welche Zukunftsthemen für das Porsche-Management die Vielversprechendsten sind.

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Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2018