Porsche in Pink? Die neuen Ideen, um mehr Frauen zum Kauf eines Sportwagens zu bewegen, sind fragwürdig

Business Insider Deutschland
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Der Porsche Taycan in "Frozen Berry"
Der Porsche Taycan in "Frozen Berry"

Die Verkaufszahlen von Porsche sind zwar gestiegen, allerdings zählen zu den Kunden kaum Frauen. Das möchte Porsche nun ändern, wie das "Handelsblatt" berichtet. Die Ideen, mit denen mehr Frauen zum Kauf eines Porsches bewegt werden sollen, sind allerdings fragwürdig.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2021 sind die Verkaufszahlen von Porsche um mehr als ein Drittel zum Vorjahresquartal gestiegen. Der Autohändler hat allerdings ein wahres Luxusproblem: Die Kundschaft ist kaum weiblich. Nur 13 Prozent der Porsche-Käufer sind Frauen. Das bedeutet, dass lediglich jeder achte Wagen in Deutschland an eine Frau verkauft wird.

In anderen Ländern ist der Frauenanteil bei Porsche deutlich höher. In China beispielsweise macht der weibliche Kundenanteil 47 Prozent aus, in den USA liegt dieser bei 25 Prozent. Porsche versucht, jetzt auch in Deutschland mehr junge und vor allem weibliche Kundinnen zur momentan überwiegend männlichen und alten Kundschaft dazuzugewinnen.

Potenziellen Kundinnen sei vor allem Nachhaltigkeit und Performance wichtig

Die Strategien, mit denen Porsche mehr Frauen gewinnen möchte, sind allerdings reichlich stereotypisch. Porsche-Chef Detlev von Platen sagte im Gespräch mit dem „Handelsblatt“, dass Frauen besonders Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz wichtig sei. Zudem interessiere sie Performance und Sicherheit mehr als die technischen Details. Basierend auf diesen Annahmen konzentriert sich Porsche vor allem darauf, Design, Komfort und Individualisierungsmöglichkeiten bei den momentanen Modellen auszubauen und an die angeblichen weiblichen Wünsche anzupassen.

Frauen sollen besonders durch größere Auswahlmöglichkeiten bei der Ausstattung begeistert werden. Porschemodelle sollen deshalb künftig in neuen Farben, wie beispielsweise in dem Rosaton "Frozen Berry" auf den Markt kommen, oder ohne echtes Leder bei der Innenausstattung verkauft werden. So versucht das Unternehmen den Spagat zwischen dem Gewinnen von potenziellen neuen Kundinnen und dem Behalten des Stammklientels zu schaffen.

Die Geschäftsführerin der Münchener Werbe- und Marketingagentur "Think New Group", Gabi Lück, sagte im Gespräch mit dem „Handelsblatt“, dass Frauen insgesamt anspruchsvoller, und detailorientierter seien. „Die Variationsmöglichkeiten bei Porsche gehen da in die richtige Richtung. Aber ob 'Frozen Berry' die richtige Farbe ist, wage ich zu bezweifeln“, so die Werbeexpertin.

Porsche versucht junge und weibliche Personen aus der Modewelt für sich zu begeistern

Zudem setzt Porsche auch auf Kooperationen mit Berühmtheiten wie dem Creative Director des Pariser Modelabels Balmain, Olivier Rousteing. Rousteing ist in der Fashionbranche sehr bekannt, und hat mehr als fünf Millionen Instagram-Follower. „Im März haben wir mit ihm als authentischem Porsche-Fan von Kindesbeinen an eine Video-Serie in Social Media gestartet – über seine Geschichte und seinen Antrieb“, so von Platen im Interview mit dem „Handelsblatt“. Porsche versuche dadurch mehr junge und weibliche Personen aus der Modewelt zum Kauf seiner Sportwagen zu bewegen.

Neben der Kooperation mit Mode- und Social-Media-Stars wie Rousteing, soll es künftig auch mehr Stores mit Gastronomiekonzept in den Städten geben. Porsche versuche laut von Platen „Teil des urbanen Lebens (zu) werden.“ Sodass Kunden in Zukunft in den Stores Essen und Trinken, an Events oder Ausstellungen teilnehmen können, und Porsche schließlich mit mehr verbinden, als nur mit Autos. Zudem komme eine „stimmige, entspannte Atmosphäre (...) tendenziell auch bei Frauen gut an“, so Werbeexpertin Lück.

Bei all diesen sehr klischeehaften Punkten, auf denen die neue Strategie basiert, um mehr weibliche Kundinnen zu gewinnen, stütze sich von Platen auf die Analysen seiner Marktforscher und Trendscouts, wie er im Interview mit dem „Handelsblatt“ mitteilte. Vielleicht wäre ein Marketingfokus, der auf einem tatsächlichen Wandel der Marke hin zu einem umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Unternehmen liegt ratsamer gewesen, um potenzielle Kundinnen zu gewinnen, anstatt einfach nur zur Farbe pink zu greifen.

ln