US-Außenminister sieht "Risiken" für Scheitern der Denuklearisierung Nordkoreas

US-Außenminister Pompeo (r.) in Seoul

Neue Skepsis in Washington mit Blick auf eine atomare Abrüstung Nordkoreas: Es gebe weiterhin "Risiken", dass die Denuklearisierung auch nach dem historischen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Pjöngjangs Machthaber Kim Jong Un nicht "erreicht" werde, sagte US-Außenmnister Mike Pompeo am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi in Peking. Trump dagegen geht vom Ende der atomaren Bedrohung durch Pjöngjang aus - und relativierte die Menschenrechtsverbrechen der nordkoreanischen Führung.

Zwar glaube er, dass die USA und Nordkorea nach dem Gipfel in Singapur am Dienstag auf einem "Weg nach vorne" für den Frieden seien, sagte Pompeo in Peking. Aber er fügte hinzu: "Es gibt immer noch Risiken, dass wir dies nicht erreichen". Es sei noch "viel mehr Arbeit" zu erledigen, auch von China, dem engsten Verbündeten Nordkoreas.

China habe sich erneut hinter die Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Nordkorea gestellt, sagte Pompeo weiter. Die Sanktionen sollen nach dem Willen der USA erst nach einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas gelockert werden.

Wang sagte, der Gipfel habe dabei geholfen, die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel "zu fördern und umzusetzen" und die Region einem "dauerhaften" Frieden näher zu bringen.

Wenig Stunden zuvor hatte Pompeo bei einer Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus Südkorea und Japan in Seoul gesagt, Nordkoreas Machthaber sei sich der "Dringlichkeit" der Denuklearisierung bewusst. Washington sei nach wir vor entschlossen, die "vollständige, überprüfbare und unumkehrbare" Denuklearisierung Nordkoreas zu erreichen.

Pompeo hatte am Mittwoch mit einer "umfangreichen Abrüstung" Nordkoreas bis zum Jahr 2020 gerechnet. Die Denuklearisierung werde "ganz bestimmt" bis zum Ende des Mandats von Trump erfolgen, sagte er in Seoul. "Wir sind hoffnungsvoll, dass wir dies in zweieinhalb Jahren schaffen können."

Auch Trump hatte am Mittwoch auf Twitter seinen Gipfel mit Kim als Erfolg gefeiert und und betont, von Nordkorea gehe nun keine "atomare Bedrohung" mehr aus. Sein Vorgänger Barack Obama habe Nordkorea noch das "größte und gefährlichste Problem" der USA genannt. "Nicht mehr", fügte Trump hinzu. "Schlaft heute Nacht gut!"

Kim hatte bei dem Gipfel am Dienstag in Singapur in die komplette atomare Abrüstung seines Landes eingewilligt. Nähere Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen wurden dabei aber nicht vereinbart.

Kim ließ sich am Donnerstag im nordkoreanischen Staatsfernsehen nach seiner Begegnung mit Trump als "bedeutenden Weltführer" feiern. In einem 40-minütigen Beitrag über das Treffen hieß es, Trump habe dem nordkoreanischen Machthaber seinen "Respekt und endlose Bewunderung" ausgedrückt.

Derweil äußerte sich Trump relativierend über die schweren Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. "Viele andere Leute haben einige wirklich schlimme Sachen gemacht, ich meine, ich könnte viele Länder durchgehen, wo viele schlimme Sachen gemacht wurden", sagte Trump in einem Interview mit dem Sender Fox News.

Trump lobte Kim zudem als "einen sehr schlauen Kerl" und "großartigen Verhandler". "Ich glaube, wir verstehen uns", sagte der US-Präsident. Nach Angaben von Trumps eigenem Außenministerium hält Nordkorea zwischen 80.000 und 120.000 politische Gefangene als Zwangsarbeiter in Lagern fest, wo sie Folter und dem Hungertod ausgesetzt sind.

Auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe strebt nun offenbar ein Treffen mit Kim an. Die Regierung prüfe derzeit eine Reise Abes nach Pjöngjang im August, berichtete die Zeitung "Sankei Shimbun". Kim habe sich bei seinen Beratungen mit Trump offen für ein Treffen mit Abe gezeigt. Bei dem möglichen Treffen soll es vor allem um Fortschritte in der Frage jener Japaner gehen, die nach Nordkorea verschleppt worden waren.