Amokfahrer von Münster hegte Suizidgedanken

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Spurensuche am Tatort in der Münsteraner Altstadt

Der Amokfahrer von Münster hat vor seiner tödlichen Tat mit einem Campingbus Suizidgedanken gehegt. Aus einer Ende März verschickten E-Mail des 48-jährigen Deutschen an Bekannte ergaben sich "vage Hinweise auf suizidale Gedanken, aber keinerlei Anhaltspunkte für die Gefährdung anderer Personen", wie die Ermittler in der nordrhein-westfälischen Stadt am Sonntag erklärten. Beamte suchten demnach seine Wohnungen in Münster sowie Dresden und Pirna in Sachsen auf, trafen ihn aber nicht an.

"Weitere Erkenntnisse über den Verbleib des Täters konnten durch die Polizei bis zum Tatzeitpunkt nicht ermittelt werden", erklärten die Ermittler. Die Stadt Münster teilte demnach mit, er habe zu dieser Zeit Kontakte zum Gesundheitsamt gehabt. Nötig sei nun "ein möglichst umfassendes Bild über das Verhalten des Täters in den Vorwochen", um das Motiv für die Amokfahrt zu ermitteln.

Der Todesfahrer Jens R. war am Samstagnachmittag in der Altstadt von Münster mit seinem Fahrzeug in eine Restaurantterrasse gerast. Eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann wurden getötet. Der Täter erschoss sich im Wagen. Etwa 20 Menschen - darunter auch mindestens zwei Niederländer - wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Einem Medienbericht zufolge hinterließ R. eine Art Lebensbeichte. Das 18-seitige Schreiben habe die Polizei in der Wohnung in Pirna entdeckt, berichteten "Süddeutsche Zeitung" sowie West- und Norddeutscher Rundfunk. Es werde "in Ermittlerkreisen im Nachhinein als klassische Ankündigung eines Suizids gelesen".

In dem Schreiben berichte Jens R. "von gravierenden Problemen mit seinen Eltern, von Schuldkomplexen, nervlicher Zerrüttung und regelmäßigen Zusammenbrüchen", hieß es. Auch von "Aggressionsausbrüchen" und Verhaltensstörungen sei die Rede. Eine besondere Rolle spiele eine womöglich verpfuschte Operation.

Weiter hieß es, R. habe seine Lebensbeichte und einen fünfseitigen Brief am 29. März per E-Mail an Bekannte verschickt. Dem Sozialpsychiatrischen Dienst in Münster sei er schon länger bekannt gewesen. Auch bei Polizeieinsätzen sei er bereits als nervenkrank aufgefallen.

Einen politischen oder religiösen Hintergrund hatten die Ermittler bereits zuvor weitestgehend ausgeschlossen. Vielmehr verdichten sich die Hinweise auf eine psychische Störung bei dem Täter, der laut Polizei über vier Wohnungen - zwei in Münster und zwei in Sachsen - sowie über mehrere Fahrzeuge verfügte.

Laut Staatsanwaltschaft liefen gegen den Mann 2015 und 2016 mehrere Verfahren unter anderem wegen Bedrohung und Sachbeschädigung, die alle eingestellt wurden. Es habe aber "keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität" gegeben.

Am Sonntag besuchten Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, Landesinnenminister Herbert Reul und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (alle CDU) den Tatort. Sie gedachten der Opfer und legten Blumen nieder.

Seehofer sagte danach, die Tat zeige, dass "leider eine absolute Sicherheit nicht möglich ist". Der Staat müsse aber "alles tun, um solche Verbrechen in der Zukunft zu mindern oder vielleicht sogar zu verhindern". Reul bekräftigte, dass R. "mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Einzeltäter" gewesen sei.

Laschet sicherte den Opfern und ihren Angehörigen die Unterstützung des Landes zu. Es sei nun wichtig, "nicht nur den Täter, sondern auch die Opfer, die allzu oft vergessen werden, in den Blick" zu nehmen, sagte er. Daher werde die Landesopferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz ab Montag den Betroffenen vor Ort zur Seite stehen.

Das Tatfahrzeug wurde untersucht, nachdem mehrere verdächtige Drähte entdeckt worden waren. Experten gaben später Entwarnung. Bei der Durchsuchung des Campingbusses wurden neben der Tatwaffe eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper gefunden.

In einer Wohnung des Täters entdeckten die Ermittler weitere Knallkörper und eine unbrauchbar gemachte Kalaschnikow. Zudem wurden in Münster mehrere Gasflaschen sowie Kanister mit Bioethanol und Benzin gefunden. Wozu R. die Stoffe in seiner Wohnung aufbewahrte, werde untersucht, erklärten die Ermittler.