Polizei setzt Gummigeschosse gegen Teilnehmer von Istanbuler Gay Pride ein

Türkische Polizisten

Bei der verbotenen Istanbuler Gay-Pride-Parade hat die Polizei Gummigeschosse auf dutzende Teilnehmer abgefeuert. Die Beamten wollten die etwa 40 Aktivisten auf dem zentralen Taksim-Platz damit am Sonntag an der Fortsetzung ihres Marsches hindern, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Der Istanbuler Provinzgouverneur hatte die Gay-Pride-Parade am Samstag mit der Begründung verboten, die Demonstration für die Selbstbestimmungsrechte sexueller Minderheiten (LGBTI) gefährde "die Sicherheit von Touristen und die öffentliche Ordnung".

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zeigte sich "tief beunruhigt" und rief die Türkei auf, das Verbot aufzuheben. Statt die Parade von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender zu verbieten, solle der Staat die Parade schützen. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) erklärte, das Verbot der türkischen Behörden sei "ein klarer Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention".

In diesem Jahr fiel die Parade mit dem großen Fastenbrechen zum Abschluss des islamischen Ramadan-Monats zusammen. In sozialen Netzwerken machten türkische Nationalisten und Rechtsextremisten Stimmung gegen die Demonstration. In der Türkei herrscht seit dem gescheiterten Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Juli der Ausnahmezustand.

Schon in den Jahren 2015 und 2016 hatten die Behörden die Gay Pride in Istanbul verboten. Im vergangenen Jahr trotzten bis zu 300 Menschen dem Verbot. Die Polizei ging damals mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor und konfiszierte Regenbogenfahnen der Aktivisten.