Polizei in Mexiko geht im Fall des toten deutschen Weltreisenden von Mord aus

Bergregion in Chiapas

Im Fall der tot in Mexiko aufgefundenen Weltreisenden aus Deutschland und Polen geht die Polizei nun von einem brutalen Mord aus. Die bisherigen Befunde deuteten auf eine "vorsätzliche Tötung" hin, sagte der zuständige Ermittlungschef Luis Alberto Sánchez am Freitag im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Der Bruder des toten Deutschen berichtete im Online-Dienst Facebook, die Leichname seien verstümmelt worden.

Ermittlungschef Sánchez rückte mit seiner Erklärung von der ursprünglichen Annahme der Polizei ab, derzufolge Holger Hagenbusch und Krzysztof Chmielewski durch den Sturz in eine Schlucht in Südmexiko tödlich verunglückt waren. Die Kopfverletzung von Chmielewski könnte von einer Schusswunde herrühren, sagte der Ermittler nun. Möglicherweise seien die beiden Männer einem Raubmord zum Opfer gefallen.

Hagenbuschs Bruder Rainer, der zur Identifizierung nach Mexiko geflogen war, berichtete auf seiner Facebook-Seite, die beiden Leichname seien verstümmelt worden. Der Pole sei enthauptet worden, ein Fuß fehle. Die Regierung des südmexikanischen Bundesstaats Chiapas versicherte, sie werde die Ermittlungen "intensivieren", um die Tat aufzuklären. Sánchez schloss nicht aus, dass Polizeibeamte aus Deutschland in dem Fall mitarbeiten könnten.

Nach Angaben der mexikanischen Ermittler hatten die beiden Radfahrer sich am 20. April in der Stadt San Cristóbal de las Casas getroffen und beschlossen, zusammen zu den etwa 200 Kilometern entfernten Maya-Ruinen in Palenque zu fahren.

Chmielewskis Leichnam war Ende April in einer Schlucht gefunden worden, der von Hagenbusch dann Anfang Mai. Die Schlucht, die sich zwischen den Städten San Cristóbal und Ocosingo befindet, ist nach Polizeiangaben 200 Meter tief, die Straße dort gilt als sehr unfallträchtig. Zunächst hatte es von Seiten der Polizei geheißen, es gebe keine Anzeichen für ein Gewaltverbrechen. Andere Radfahrer hatten diese Version angezweifelt.

Holger Hagenbusch und sein polnischer Begleiter waren auf Weltreise und durchquerten Mexiko mit dem Fahrrad. Im Süden des Landes verlor sich Mitte April ihre Spur. Hagenbuschs Bruder veröffentlichte daraufhin einen Hilfsappell. Via Facebook bat er um Hinweise zum Verbleib des Radfahrers. Holger Hagenbusch befand sich demnach seit vier Jahren auf der Weltreise.

Mexiko wird seit Jahren von zehntausenden Gewaltverbrechen erschüttert. Allein im vergangenen Jahr zählten die Behörden 25.000 Mordopfer. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, steht die deutsche Botschaft in Mexiko sowohl mit den Familienangehörigen Hagenbuschs wie auch den mexikanischen Behörden in engem Kontakt. Nähere Angaben wollte das Ministerium zu dem Fall am Samstag nicht machen.