Mindestens acht Tote bei regierungskritischen Protesten im Kongo

Katholiken bei einer Demonstration gegen Kabila

Bei regierungskritischen Protesten in der Demokratischen Republik Kongo sind am Wochenende mindestens acht Menschen getötet worden. Nach UN-Angaben wurden am Sonntag zudem rund 120 Menschen am Rande der Proteste gegen Präsident Joseph Kabila festgenommen, zu denen die Katholische Kirche aufgerufen hatte. Sicherheitskräfte feuerten Tränengas in Kirchen und gaben Warnschüsse ab, um Gottesdienstbesucher auseinanderzutreiben.

Sieben Menschen seien in der Hauptstadt Kinshasa, ein weiterer sei in der Stadt Kananga im Zentrum des Landes getötet worden, verlautete aus UN-Kreisen. Demnach wurden rund 80 Menschen, darunter Priester, in Kinshasa festgenommen. Etwa 40 weitere Festnahmen habe es im Rest des Landes gegeben.

Die Katholische Kirche des Landes hatte zu friedlichen Protesten aufgerufen. Damit wollte sie an die Unterzeichnung eines Abkommens erinnern, das für 2017 die Wahl eines Nachfolgers für Staatschef Kabila vorsah. Die Behörden hatten jedoch jegliche Demonstrationen verboten.

Die Polizei räumte ein, dass drei Zivilisten in Kinshasa getötet worden seien. Polizeisprecher Pierrot-Rombaut Mwanamputu sagte dem staatlichen Fernsehen, zwei Jugendliche seien im Osten der Hauptstadt getötet worden. Ein weiterer Zivilist kam demnach im Norden von Kinshasa ums Leben. Die Regierung teilte lediglich mit, dass ein Polizist bei Zusammenstößen getötet worden sei.

Ein AFP-Reporter beobachtete am Sonntag, wie Soldaten einem Mann bei einem Protestmarsch in der Stadt Kananga in die Brust schossen. In mehreren Kirchen in Kinshasa trieben Sicherheitskräfte Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinander und feuerten Warnschüsse ab.

Im Zentrum der Hauptstadt wurden zwölf junge Messdiener festgenommen, die einen Protestzug gegen Kabila anführten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Mindestens 15 Menschen wurden in Kinshasa und zwei weitere in der zweitgrößten Stadt des Landes, Lubumbashi, verletzt.

Vor der St. Michaels-Kirche in Kinshasa drohte ein Armeeoffizier einem Reporterteam der Nachrichtenagentur AFP: Wenn die Journalisten nicht abzögen, werde er seinen Soldaten Befehl erteilen, auf sie zu schießen. Ein Journalist des französischen Radiosenders RFI wurde vorübergehend festgenommen.

Bereits in der Nacht zum Sonntag waren vor den Kirchen der Hauptstadt Polizei und Armee aufmarschiert, Straßensperren wurden eingerichtet. Das Internet wurde "aus Gründen der staatlichen Sicherheit" abgeschaltet. Die Demokratische Republik Kongo, eine frühere Kolonie Belgiens, ist mehrheitlich katholisch.

Kabila weigert sich, die Macht abzugeben, obwohl seine Amtszeit offiziell bereits vor einem Jahr endete. Ursprünglich sollten 2017 Wahlen für seine Nachfolge stattfinden, doch diese wurden immer wieder verschoben. Geplant ist nun, die Präsidentschaftswahl im Dezember 2018 abzuhalten.

In einer Erklärung erinnerte UN-Generalsekretär Antonio Guterres Kabila am Sonntag an sein Versprechen, die Macht abzugeben - das hatte der Staatschef am 31. Dezember 2016 in einer Vereinbarung mit Oppositionsgruppen unterschrieben. Alle politischen Akteure in dem Land sollten sich daran halten, hieß es in der Erklärung von Guterres' Büro. Das bleibe der "einzig sinnvolle Weg, hin zu Wahlen, dem friedlichen Machtwechsel und der Festigung der Stabilität" in dem Land.

Der UN-Generalsekretär rief die Regierung und die Sicherheitskräfte außerdem dazu auf, sich "in Zurückhaltung zu üben" und die Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu respektieren.