Bislang keine heiße Spur nach Fund von Potsdamer Paketbombe

Die Potsdamer Paketbombe führte zur Sperrung des Weihnachtsmarktes

Im Fall der in Potsdam gefundenen Paketbombe sind bei der Polizei bis zum Montagnachmittag rund drei dutzend Hinweise eingegangen. Eine heiße Spur war aber noch nicht dabei, wie eine Polizeisprecherin in der brandenburgischen Landeshauptstadt sagte. Die Sonderkommission, die nach dem Fund des in einer Apotheke eingegangenen Pakets gebildet worden war, wurde mittlerweile auf 50 Ermittler aufgestockt und damit verdoppelt.

Sprengstoffexperten der Bundespolizei hatten am Freitag ein Paket unschädlich gemacht, das an die nahe dem Potsdamer Weihnachtsmarkt gelegene Apotheke gesendet worden war. Die Ermittler gehen davon aus, dass hinter der Paketbombe eine Erpressung in Millionenhöhe gegen den Paketdienst DHL steckt.

Die Sendung wurde von einem Postzustelldienst abgegeben, darin befanden sich eine Blechbüchse mit Nägeln, Batterien sowie Drähte und ein verdächtiges Pulver. Das Paket hätte den Angaben zufolge explodieren und Menschen schwer verletzen können. Die Ermittler warnten die Bevölkerung am Sonntag vor weiteren möglicherweise gefährlichen Sendungen. "Wir ermitteln weiter sehr stark in alle Richtungen", sagte die Polizeisprecherin in Potsdam.

Die Ermittler gehen von einem regional agierendem Täter aus. Das Paket sei in Potsdam aufgegeben worden, sagte der Sprecher der Polizei Brandenburg, Torsten Herbst, am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". In einem ähnlichen Fall sei zuvor ein weiteres Paket in Berlin aufgegeben und ebenfalls in Brandenburg zugestellt worden. Anfang November war ein Paket an eine kleinere Firma in Frankfurt an der Oder gegangen. Es war bei der Entschärfung komplett zerstört worden.

Die Polizei schließt eine bundesweite Gefährdung nicht aus. "Was wir wissen, ist, dass der Erpresser offensichtlich angekündigt hat, dass er weiter derartige Paketbomben versenden will, wenn DHL nicht zahlt", sagte Mario Heinemann, Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg, dem Bayerischen Rundfunk.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) rief die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf. Wenn Pakete zu Hause oder in Unternehmen ankämen, deren Herkunft nicht ganz klar sei, sollte die Polizei informiert werden, "bevor man sich irgendwelchen Gefährdungen aussetzt", sagte er am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Entwarnung gab es inzwischen nach einem verdächtigen Paketfund in Thüringen. Eine in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt eingegangene Sendung enthielt lediglich zusammengerollte Kataloge, wie ein Sprecher der Erfurter Staatsanwaltschaft am Montag sagte. Das Paket sei von Spezialkräften geöffnet und untersucht worden.

Die Sendung war nach Angaben eines Regierungssprechers bereits am Freitagnachmittag eingegangen und dann bei der Sichtung am Montag aufgefallen. Nach dem Fund einer Paketbombe in Potsdam kam es Mitarbeitern am Montagmorgen demnach verdächtig vor, und sie informierten die Polizei.