Polizei ermittelt nach Messerattacke in Finnland wegen Terrorverdachts

Die Ermittlungen nach der Messerattacke in der finnischen Stadt Turku haben am Wochenende ergeben, dass es sich um den ersten Terroranschlag in Finnland und offenbar um einen gezielten Angriff auf Frauen handelte

Die finnische Polizei stuft die Messerattacke mit zwei Toten und acht Verletzten in der Stadt Turku als mutmaßlich ersten Terroranschlag des Landes ein. Es werde wegen Mordes und versuchten Mordes "mit terroristischer Absicht" ermittelt, erklärte die Polizei am Samstag. Auch mögliche Verbindungen zur Dschihadistenmiliz IS würden untersucht. Tatverdächtig ist ein 18-jähriger Marokkaner, der von der Polizei angeschossen wurde und zunächst keine Aussage machen wollte.

Eine mögliche Verwicklung des Islamischen Staats sei "eine der zentralen Fragen" der Ermittlungen, sagte der Direktor des finnischen Geheimdiensts SUPO, Antti Pelttari. Die Polizei nahm in der Nacht zu Samstag in einer Wohnung in Turku vier marokkanische Staatsbürger fest. Gegen einen weiteren Verdächtigen wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Die Rolle der Festgenommenen werde noch untersucht, sagte Kommissar Markus Laine. Sie hätten zwar Verbindungen zu dem Hauptverdächtigen. Es stehe aber nicht fest, dass sie mit der Messerattacke in Verbindung stünden.

"Sollte sich der Terrorverdacht bestätigen, wäre es das erste Mal in Finnland", erklärte Ministerpräsident Juha Sipilä. "Wir hatten es schon befürchtet: Wir sind keine Insel mehr." Finnland sei aber immer noch "eines der sichersten Länder der Erde".

Der mutmaßliche Täter hatte am Freitag mit einem Messer Passanten attackiert, bis Polizisten ihn mit Schüssen in den Oberschenkel stoppten. Er wurde im Krankenhaus behandelt. "Wir haben versucht, im Krankenhaus mit ihm zu reden, aber er wollte sich nicht äußern", sagte Polizei-Superintendentin Christa Granroth.

Bei dem Angreifer handelt es sich laut Polizei um einen Marokkaner, der Anfang 2016 nach Finnland kam und Asyl beantragte. Nach Medienberichten wurde der Antrag abgelehnt.

Die meisten seiner Opfer sind Frauen. "Wir glauben, dass der Attentäter gezielt Frauen angriff", sagte Superintendentin Granroth. Bei den zwei Getöteten handelte es sich um finnische Frauen, unter den acht Verletzten waren sechs Frauen und zwei Männer. Einer der Männer wurde verletzt, als er einer angegriffenen Frau helfen wollte, der zweite, als er sich dem Attentäter entgegenstellte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte in einem Telefonat mit dem finnischen Ministerpräsidenten Sipilä ihr Beileid. "Wir dürfen unsere Art zu leben nicht aufgeben und uns nicht einschüchtern lassen", erklärte Merkel.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach von einem "hinterhältigen Angriff". In Berlin erklärte er: "Nur kurz nach den schrecklichen Ereignissen in Spanien ist dies ein weiterer brutaler Angriff in Europa und auf unsere gemeinsamen Werte." Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Austausch mit den finnischen Behörden und unterstützten die Ermittlungen.

Die Fahnen in Finnland hingen am Samstag auf Halbmast. Für Sonntagvormittag war eine Schweigeminute geplant.

Erst im Juni hatte der finnische Geheimdienst SUPO vor der steigenden Gefahr islamistischer Anschläge in dem Land gewarnt. Aktivisten aus Finnland hätten sich dem IS angeschlossen und ein "weit reichendes Netzwerk von Kontakten" in der Dschihadistenmiliz aufgebaut, hatte die Behörde erklärt. In Finnland selbst würden rund 350 Extremisten überwacht.