Zahlreiche Verletzte und ein Toter durch Raketen und Böller in der Silvesternacht

Nach zwei Corona-Wintern haben die Menschen in Deutschland das neue Jahr wieder mit großen Mengen von Feuerwerk begrüßt - entsprechend viele Verletzte und mindestens einen Toten gab es in der Silvesternacht. Vielerorts berichteten Polizei und Feuerwehr über zahlreiche Angriffe auf Rettungskräfte. Die Berliner Feuerwehr erklärte, sie sei überrascht von "Masse und Intensität" der Angriffe - diese machten "fassungslos und traurig".

In Leipzig verletzte sich ein 17-Jähriger beim Hantieren mit nicht zugelassenem Feuerwerk tödlich, wie die Polizei mitteilte. Sie leitete ein Ermittlungsverfahren ein. In Thüringen im Landkreis Gotha verlor ein 42-Jähriger nach Angaben der Polizei durch die Detonation "einer Kugel- oder Rohrbombe" seine beiden Unterarme. Ein 21-Jähriger im Landkreis Schleiz experimentierte ebenfalls mit einer Kugelbombe - sie sei unkontrolliert explodiert und habe ihm eine Hand abgerissen.

Zwei Finger verlor ein 27-Jähriger in Jülich, der mehrere Feuerwerkskörper miteinander verklebt hatte. Das "selbst gebastelte Bündel Pyrotechnik" explodierte laut Polizei in der Hand des Mannes. Beim Zünden eines Feuerwerk-Artikels verletzte sich im baden-württembergischen Hohberg-Hofweier ein 38-Jähriger so schwer im Gesicht, dass er mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden musste.

Ein zweijähriges Kind traf es im nordrhein-westfälischen Unna: Der Junge war gegen Mitternacht mit seinen Eltern auf der Straße, als "ein pyrotechnischer Gegenstand in die Kapuze" des Kindes gelangte und explodierte, wie die Polizei erklärte. Mit Verbrennungen am Hinterkopf wird der Junge nun in einer Unfallklinik behandelt. Im nordrhein-westfälischen Erkrath wurde ein achtjähriger Junge von einem Silvesterböller schwer im Gesicht und an einer Hand verletzt.

Feuerwerkskörper verursachten zudem Brände etwa auf Balkonen und in Wohnungen. Vielerorts brannten auch geparkte Autos oder Müllcontainer. Im nordrhein-westfälischen Balve kam eine Frau bei einem Wohnungsbrand ums Leben; die Brandursache war allerdings zunächst unklar.

Polizeidienststellen im ganzen Land - wie etwa die Beamten in Düsseldorf - berichteten zudem von "stark alkoholisierten Personen, Randalierern, Streitigkeiten und Körperverletzungsdelikten". Es sei "die intensivste Silvesternacht der letzten Jahre" gewesen, erklärte etwa die mittelfränkische Polizei.

Vor allem in Berlin und in Hamburg wurden Einsatzkräfte und Fahrzeuge von Feuerwehr und Polizei angegriffen. Die Berliner Feuerwehr zählte bis Sonntagvormittag 38 Übergriffe. 15 Einsatzkräfte wurden demnach verletzt. Die Polizei in der Hauptstadt berichtete von 18 verletzten Polizeikräften. Sie nahm 98 Männer und fünf Frauen fest und leitete Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftungsdelikten, Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, Landfriedensbruchs sowie tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ein.

In Hamburg sprach die Feuerwehr von einer "erschreckenden Silvester-Neujahrs-Bilanz". Einsatzkräfte seien während der Silvesternacht mit Feuerwerkskörpern "aggressiv angegangen, regelrecht beschossen" worden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte höhere Strafen für die Täter. "Die Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten sind eine Verrohung, die wir nicht akzeptieren können", sagte GdP-Vertreter Andreas Roßkopf der "Rheinischen Post". Die Strafen müssten "empfindlich hoch" sein. "Höher, als das jetzt der Fall ist."

Roßkopf sprach sich für Böllerverbote in eng bebauten Innenstädten und im Bereich von Krankenhäusern aus. Von einem grundsätzlichen Verbot halte er aber nichts, sagte er der "Rheinischen Post".

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) dagegen forderte nach "einer Nacht des Schreckens für Millionen Tiere und Menschen", den Verkauf und die Benutzung von Pyrotechnik zu Silvester zu verbieten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (beide SPD) müssten "sofort" handeln. Die DUH rief dazu auf, sich dieser Forderung unter www.duh.de/boellerfrei anzuschließen.

Nach zwei Jahren Pause wegen der Corona-Pandemie durften in der Neujahrsnacht wieder Raketen und Böller gezündet werden. Zum Verkaufsstart am Donnerstag hatte es vor einigen Geschäften bereits am Morgen lange Schlangen gegeben. Im niedersächsischen Nordhorn stahlen in der Nacht zum Samstag Unbekannte auf einem Firmengelände Feuerwerkskörper im Wert von etwa 10.000 Euro.

ilo/cne