Politikexperte Spreng bei Lanz: „Ich glaube wir erleben das Endstadium der bayrischen Machokultur“

Michael Spreng (m.) sagt, die CSU-Taktik sei ihm „ein Rätsel“. (Bild: ZDF/Screenshot)

Er gilt als einer der profiliertesten Politik-Kenner des Landes: Michael Spreng, gerade 70 geworden, war Chefredakteur der Bild am Sonntag und leitete einst den Kanzler-Wahlkampf für Edmund Stoiber. Doch die aktuellen Volten der CSU geben ihm Rätsel auf.

Was sich in den vergangenen Tagen und Wochen zwischen München und Berlin zugetragen hat, dürfte in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig sein. Selten zuvor haben sich die Schwesterparteien CDU und CSU so sehr in die Wolle gekriegt wie im Sommer 2018. Das sieht auch der Journalist und Politfachmann Michael Spreng so.

In der Sendung von Markus Lanz sagte der 70-Jährige, er habe schon viele Auseinandersetzungen erlebt, unter anderem im Jahr 1976, als sich Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß ein öffentliches Duell lieferten und die Fraktionsgemeinschaft von CSU und CDU einige Wochen lang aufgekündigt war. „Damals ging es um Parteitaktik“, sagte Spreng.

Michael Spreng setzt sich seit Jahren intensiv mit Politiklandschaft in Deutschland auseinander. (Bild: ZDF/Screenshot)

Heute gehe es laut Spreng bei dem Streit „um ein wahnsinnig kompliziertes und humanitär anspruchsvolles Problem, nämlich die Asylproblematik“. Die Strategie der CSU, die Koalition in Sachen Migrationskrise aufzumischen, könne nach hinten losgehen. „Die Landtagswahl wird ein Desaster, da bin ich bereit, große Wetten einzugehen.“

Die bayerische „Machokultur“ stehe nun vor dem Ende, so Spreng. „Seehofer, Söder und Dobrindt“ würden für ihre Politik bestraft werden. Daher kann der Politexperte das Handeln der CSU-Riege nicht nachvollziehen: „Das ist das, was ich nicht verstehe: Die CSU rennt jetzt zum dritten Mal mit dem Kopf gegen die Wand, sie hat sich zwei Mal blutige Beulen geholt und sie versucht es ein drittes Mal.“

Damit spielte Spreng auf den EU-kritischen Wahlkampf der CSU mit Peter Gauweiler bei der Europawahl 2014 an, sowie auf den Bundestagswahlkampf 2017, als die CSU Wahlkampf gegen Angela Merkel betrieben hatte. In beiden Fällen habe die AfD davon profitiert, nicht die Union. Jetzt noch einmal auf solche Strategien zu setzen, ist Spreng „ein Rätsel“.

Michael Spreng findet, die CSU habe innerhalb der CDU eine Solidarisierung mit der Bundeskanzlerin ausgelöst. (Bild: ZDF/Screenshot)

Innerhalb der Union habe die CSU mit ihrem scharfen Kurs in der Asyldebatte genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie erreichen wollte. „Durch die Maßlosigkeit der Angriffe“, so Spreng, habe die CSU vor allem in der CDU eine Solidarisierung mit Angela Merkel ausgelöst. Obwohl es zeitweise schlecht für sie aussah, habe Merkel nun „die CDU wieder hinter sich“. Spreng resümiert: „Im Grunde hat die CSU in allem das Gegenteil erreicht, was sie tatsächlich wollte“.