Chefwechsel bei VW – Politiker fordern Signal im Dieselskandal

VW baut seine Konzernspitze um. Vom neuen Vorstandschef erhoffen sich Politiker wieder mehr Bewegung in der Dieseldebatte.


Politiker von SPD und FDP hoffen, dass mit dem Chefwechsel bei Volkswagen wieder Bewegung in die Debatte um Entschädigung für die vom Abgasskandal betroffenen VW-Kunden kommt.

„VW sollte von Manipulation betroffenen Kunden auch ohne Sammelklage sofort eine Nachrüstung oder Entschädigung anbieten“, sagte der ehemalige Verbraucher-Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) dem Handelsblatt. VW möge wirtschaftlich wieder erfolgreich sein, fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu. Aber das Vertrauen von Verbrauchern und Politik sei „nachhaltig beschädigt“.

Ähnlich äußerte sich die Vize-Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Daniela Kluckert (FDP). „Ich hoffe auf ein Signal an die betroffenen Verbraucher, dass VW beim Diesel-Skandal seiner Verantwortung gerecht wird“, sagte die FDP-Politikerin dem Handelsblatt mit Blick auf den früheren BMW-Manager und aktuellen VW-Markenchef Herbert Diess, der aller Voraussicht nach neuer Vorstandschef der gesamten Volkswagen-Gruppe wird.


Vor dem neuen Vorstandschef der Volkswagen AG liege eine „große Aufgabe“, sagte Kluckert weiter. „Er ist insbesondere gefordert, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, das sein Vorgänger im hohen Maße verspielt hat.“

VW hatte am Dienstag überraschend einen Umbau des Vorstands angekündigt: Konzernchef Matthias Müller muss gehen, nach Handelsblatt-Informationen soll Markenchef Diess Nachfolger werden. Der Wechsel an der VW-Spitze könnte bereits am kommenden Freitag bei einer Sitzung des Aufsichtsrats beschlossen werden.

Die Grünen kritisierten, Personalpläne änderten wenig daran, dass VW aus ihrer Sicht bisher nicht ausreichend aus den Folgen des Diesel-Skandals gelernt habe. „Egal, wer an der Spitze steht: Der Konzern hat sich nach all den Jahren des Betrugs seiner Verantwortung immer noch nicht gestellt“, meinte Parteichefin Annalena Baerbock. „Wir brauchen die verpflichtende Nachrüstung für die manipulierten Fahrzeuge auf Kosten der Konzerne.“


Im Dieselskandal spielte Müller eine unrühmliche Rolle. Er sah nicht ein, betroffene Kunden in Europa ähnlich zu entschädigen wie in Amerika. „Emotional“ könne er den Ärger von Kunden und Verbraucherschützern nachvollziehen. Aber: „Man kann das nicht über einen Kamm scheren, denn die Ausgangssituation ist völlig unterschiedlich“, sagte Müller einmal in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

„Den Kunden in Europa entsteht ja kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften“, betonte Müller seinerzeit, Ende 2016. „Und wenn ich das anfügen darf: Auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein.“

Auch eine Hardware-Nachrüstung für schmutzige Diesel-Pkw lehnte Müller ab. Erst kürzlich betonte er, dass er dies für „nicht sinnvoll“ halte.


Dabei bekräftigte Müller vor kurzem bei der Vorstellung der Konzernbilanz, dass es in der Dieselkrise in der gesamten Autoindustrie Defizite gab: „Wir bei Volkswagen wissen, dass wir selbst dafür mitverantwortlich sind, dass sich diese Debatte derart zugespitzt hat. Wir wissen aber auch, dass unser Unternehmen – und unsere Branche insgesamt – Teil der Lösung sein muss und sein kann.“

Mittlerweile seien mithilfe der Umweltprämie über 160.000 Kunden auf moderne Fahrzeuge umgestiegen.