Berliner SPD: Krisensitzung zu Saleh: Laut, emotional und schonungslos

SPD-Fraktionsvorsitzender Raed Saleh (l.) neben dem Regierenden Bürgermeister und Parteichef Michael Müller bei der Krisensitzung

Zehn Tage soll es gedauert haben, bis der Wut-Brief geschrieben war. Nach drei Treffen und mehreren Online-Schreibkonferenzen zwischen dem 29. Oktober und dem 6. November war er fertig. 14 von 38 Abgeordneten der SPD-Fraktion unterzeichneten ihn und lösten damit ein mittelschweres politisches Erdbeben um ihren Vorsitzenden Raed Saleh aus. Knapp eine Woche nach Bekanntwerden der fünfseitigen Vorwürfe gegen Saleh ist es am Dienstag zur großen Aussprache gekommen. Lautstark, sehr emotional und schonungslos.

Die größte Fraktion im Abgeordnetenhaus versuchte in der Krisensitzung mit fünfstündiger Debatte das aufzuarbeiten, was sich über Monate angestaut hatte. Zumindest war es ein Anfang. Ein verkrampft lächelnder Saleh kam am Nachmittag in den großen Sitzungssaal im dritten Stock des Preußischen Landtags. Michael Müller, der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef, war schon da, auch die Senatoren mit einem Abgeordnetenmandat und die meisten Fraktionsmitglieder. Er freue sich auf die Aussprache, versuchte sich der Gescholtene locker zu geben, ohne dass ihm das gelang.

In der Diskussion habe sich offenbart, wie sehr die Fraktion gespalten ist

Was bereits im Brief sehr deutlich stand, musste sich Saleh dann noch einmal anhören: dass er die Fraktion nicht führe, bei wichtigen Anlässen nicht präsent sei und die Zusammenarbeit mit der Koalition, dem Senat und der Partei nicht funktioniere. Stattdessen reise er mit seinem Buch über die deutsche Leitkultur durch die Republik.

Der Zeitpu...

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