POLITIK: DIW-Chef fordert von Paris und Berlin größeres EU-Reformpaket

dpa-AFX

BERLIN/PARIS (dpa-AFX) - DIW-Chef Marcel Fratzscher hat von Deutschland und Frankreich einen großen Wurf bei der Reform der EU und Währungsunion gefordert. Vor Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an diesem Donnerstag in Paris sagte Fratzscher, jetzt sei der richtige Zeitpunkt, die Reformen Europas auf den Weg zu bringen und nicht erst auf die nächste Krise zu warten. Deutschland und Frankreich müssten sich auf eine große Vereinbarung einigen, die "sowohl mehr Solidarität in Europa als auch stärkere gemeinsame Regeln enthält".

An diesem Donnerstag tagt in Paris der deutsche-französische Ministerrat. Macron will der EU und Euro-Gruppe neuen Schwung verschaffen. Merkel hatte sich für Reformen in Europa offen gezeigt. Berlin und Paris hatten Arbeitsgruppen zur Vertiefung der Währungsunion und zur Harmonisierung von Unternehmenssteuern eingerichtet. Allerdings wurden die Erwartungen zuletzt gedämpft - auch weil in Deutschland Ende September gewählt wird.

"Meine Sorge ist, dass der politische Wille vor allem auf deutscher Seite fehlt, wirklich zu konkreten Resultaten zu kommen", sagte Fratzscher der Deutschen Presse-Agentur. Aus Sicht des Chefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt dem deutsch-französischen Ministerrat eine hohe Verantwortung zu. Mit einer gemeinsamen Position müssten die notwendigen Reformen Europas endlich auf den Weg gebracht werden.