"Politbarometer": Mehrheit der Bürger findet Jamaika-Koalition gut

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Noch drei Tage wird sondiert

CDU, CSU, FDP und Grüne setzen am Dienstag ihre Sondierungen fort. Die Zeit für Kompromisse läuft allmählich ab: Am Donnerstag sollen die Sondierungen - womöglich in einer langen Nachtsitzung - beendet werden

Nach der Bundestagswahl steht eine Mehrheit der Bundesbürger einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen positiv gegenüber. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" gaben 59 Prozent der Befragten an, dass sie ein solches Bündnis gut fänden. Für schlecht hielten dieses dagegen nur 22 Prozent. Deutlich geringer ist die Zustimmung zu einer Fortsetzung der Koalition aus Union und SPD.

Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten fände laut der Umfrage die Wiederauflage der großen Koalition besser als ein Jamaika-Bündnis. Dagegen hielten dies 41 Prozent für schlechter, für 31 Prozent der Befragten macht es keinen Unterschied.

Nach der Bundestagswahl am Sonntag sind rechnerisch ein Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen oder eine große Koalition möglich. Allerdings kündigten die Sozialdemokraten direkt nach der Wahl an, in die Opposition zu gehen. Ein Jamaika-Bündnis gilt aber wegen der großen inhaltlichen Differenzen zwischen den potenziellen Partnern als schwierig.

Fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten im "Politbarometer" begrüßen es, dass die SPD in die Opposition gehen will. Darunter sind auch 72 Prozent der SPD-Anhänger. Dass die Oppositionsrolle der SPD langfristig nutzen wird, glauben ebenfalls 65 Prozent. Unter den SPD-Anhängern gehen davon sogar 78 Prozent aus.

Wenn am nächsten Sonntag bereits wieder gewählt würde, wäre das Ergebnis dem Ausgang der Bundestagswahl ähnlich. Die Union käme dann auf 32 Prozent, die SPD auf 21 Prozent. Die AfD würde zwölf Prozent der Stimmen erreichen, die Grünen kämen auf elf Prozent. FDP und Linke lägen bei jeweils zehn Prozent.

Auf der Liste der nach Ansicht der Befragten zehn wichtigsten Politiker verbessern sich vor allem die Spitzenpolitiker der kleineren Parteien. Angeführt wird das Ranking aber weiterhin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf auf einen Durchschnittswert von 2,0 kommt. Auf dem zweiten Platz liegt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 1,9. Auf den dritten Platz rückt mit einem Wert von 1,4 nun FDP-Chef Christian Lindner vor.

Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir legt zu und liegt mit einer Durchschnittsnote von 1,3 auf Rang vier der Liste. Danach folgen Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mit 1,3 und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit 0,9. SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz sackt dagegen ab und kommt mit einem Wert von 0,7 nur noch auf den siebten Platz.

Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht verbessert sich dagegen auf einen Durchschnittswert von 0,4 und rückt vom letzten auf den achten Platz. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kommt auf Rang neun auf einen Wert von ebenfalls 0,4, neues Schlusslicht ist CSU-Chef Horst Seehofer mit 0,1.

Für das "Politbarometer" befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag 1425 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Wie bei allen Umfragen gibt es einen Fehlerbereich. Dieser wird beim "Politbarometer" bei einem Wert von 40 Prozent mit drei Prozentpunkten und bei zehn Prozent mit zwei Punkten angegeben.