Polen verlangt von Russland Rückgabe der 2010 verunglückten Präsidentenmaschine

Gedenken an die Opfer von Smolensk in Warschau

Acht Jahre nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine in Russland fordert Warschau die Rückgabe des Flugzeugwracks. "Das Flugzeugwrack ist das wichtigste Beweisstück in diesem Fall", sagte Präsident Andrzej Duda am Dienstag in Krakau. "Es befindet sich immer noch in Russland und die russischen Behörden wollen es uns nicht aushändigen."

Die Tupolew-154 gehöre Polen, Russland sei daher rechtlich verpflichtet, die Überreste des Flugzeugs zurückzugeben, sagte Duda, der am Jahrestag des Absturzes einen Blumenkranz am Grab von Ex-Präsident Lech Kaczynski und seiner Frau Maria niedergelegte. "Man kann sich nur fragen, warum die Russen das Wrack nicht herausgeben wollen." In Polen fanden am Dienstag landesweit mehrere Gedenkfeiern statt.

Die russische Regierung weist Polens Forderung seit Jahren zurück und verweist auf laufende Ermittlungen. Eine Rückgabe des Wracks sei erst nach Abschluss der Untersuchungen möglich, erklärte Moskau wiederholt.

Beim Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April 2010 waren außer Kaczynski und seiner Frau 94 weitere Insassen ums Leben gekommen. Unter den Opfern waren ranghohe Militärs und Politiker, die zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn bei Smolensk an einer Gedenkfeier teilnehmen wollten. In Katyn hatte die sowjetische Geheimpolizei im Zweiten Weltkrieg mehrere tausend polnische Offiziere erschossen.

In Polen ranken sich zahlreiche Theorien um den Absturz. Die rechtskonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw geht von einem Anschlag aus. Ein von der Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten stützte diese These. Eine erste Untersuchung der damaligen liberalen Regierung war 2010 dagegen zu dem Ergebnis gekommen, dass das Flugzeug abstürzte, weil die Piloten trotz dichten Nebels zu landen versuchten.

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Zeitung "Super Express" glauben 57 Prozent der Polen an einen Unfall, während 27 Prozent der Befragten von einem Anschlag ausgehen.