Schlüsselrennen in Spa: Vettel droht Titel-Wende

Sportinformationsdienst (SID), Martin Hoffmann
Sebastian Vettel geht im Ferrari als WM-Spitzenreiter in den Großen Preis von Belgien

Lewis Hamilton hat den Pole-Rekord von Michael Schumacher egalisiert und Ferrari-Star Sebastian Vettel am Tag von dessen Vertragsverlängerung im Qualifying zum Großen Preis von Belgien die Show gestohlen.

Der Mercedes-Pilot aus England sicherte sich am Samstag zum 68. Mal in seiner Formel-1-Karriere den ersten Startplatz und schloss damit - auf dessen einstiger Spezialstrecke - zu Rekordweltmeister Schumacher an der Spitze auf.

Vettel, dessen Vertragsverlängerung bei der Scuderia bis 2020 am Mittag bekannt gegeben wurde, geht von Rang zwei ins Rennen - in letzter Sekunde stieß er noch zwischen Hamilton und seinen finnischen Teamkollegen Valtteri Bottas (DATENCENTER: das komplette Qualifying-Ergebnis).

Zu Hilfe kam ihm dabei Teamkollege Kimi Räikkönen, der sich nach einem Fahrfehler in der letzten Runde entschloss, Vettel in seinen Windschatten zu nehmen und ihm damit entscheidenden Zeitgewinn zu verschaffen.

Bis dahin dominierte Hamilton das Geschehen mehr als Vettel lieb sein konnte. Setzt sich das auch im Rennen am Sonntag fort (ab 14 Uhr im LIVETICKER), könnten sich die Gewichte im Titelkampf zu Vettels Ungunsten verschieben.

Vettel hat gutes Gefühl

Vettel würdigte die Hilfestellung seines Teamkollegen: "Ich hatte heute einen Freund: Kimi hat seine letzte Runde abgebrochen und mich im letzten Sektor gezogen. Das war im Kampf um Platz zwei wahrscheinlich entscheidend, weil es zwei Zehntel gebracht hat."

Generell hat er das Gefühl, Hamilton im Rennen gefährlich werden zu können: "Unsere Pace hier ist gut, das macht Mut für das Rennen morgen."

Hamilton war gleichwohl eine Klasse für sich: Seine Bestzeit von 1:42.553 Minuten war neuer Streckenrekord, er lag mehr als eine halbe Sekunde vor der Konkurrenz, ehe die Ferrari-Kooperation Vettel noch auf 0,242 Sekunden heranbrachte.

Wolff stellt Hamilton Stallregie in Aussicht

Bleibt Hamilton auch im Rennen so überlegen, sind das schlechte Nachrichten für Vettel: Die verwinkelte "Ardennen-Achterbahn" gehört zu dem Teil des Restprogramms, in dem die Scuderia sich bessere Chancen ausrechnen konnte, den Pace-Vorteil der Silberpfeile auszugleichen.

Vettel muss künftig zudem damit rechnen, dass auch Mercedes seine Kräfte bündelt: Motorsportchef Toto Wolff stellte Hamilton nach dem Qualifiying ab sofort eine Stallregie in Aussicht: "Wir wollen uns jetzt nicht mehr versteifen auf irgendeine Strategie, die am Ende supersportlich ist, aber uns nicht den Titel gewinnt", sagte er bei Sky: "Darum nehmen wir es jetzt Rennen für Rennen."

Renault-Pilot Nico Hülkenberg wurde guter Sechster. Pascal Wehrlein kam im Sauber nicht über den 20. und letzten Rang hinaus. Der Worndorfer profitierte aber von den Rückversetzungen von Lokalmatador Stoffel Vandoorne (McLaren-Honda/plus 65 Plätze) und Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat (Russland/plus 20 Plätze) und startet am Sonntag von Rang 18.

Corinna Schumacher gratuliert Hamilton

Unmittelbar nach Hamiltons Rekord übermittelte Schumachers langjähriger Weggefährte Ross Brawn dem Briten auch Glückwunsche im Namen von Schumachers Ehefrau Corinna und ihrer Familie.

"Sie wollen dir gratulieren, dass du Michaels Rekord eingestellt hast", sagte Schumachers ehemaliger Technikchef bei Benetton und Ferrari: "Michael hat immer gesagt, dass Rekorde dazu da sind, gebrochen zu werden. Du hast das gemacht."


Hamilton zeigte sich gerührt. "Ich bete für Michael und seine Familie", sagte er über den 48-Jährigen, der bei einem Ski-Unfall im Dezember 2013 schwer am Kopf verletzt wurde: "Ich habe ihn immer bewundert, das tue ich heute auch noch. Es ist eine Ehre für mich, mit diesem Rekord nun neben ihm zu stehen."

Vettel führt in der Fahrerwertung vor dem zwölften von 20 WM-Läufen mit 202 Punkten vor Jubilar Hamilton (188), der in Belgien seinen 200. Grand Prix bestreitet, und Bottas (169).