Dembele-Poker: Wann der BVB schwach werden könnte

Christoph Küppers
Von den Fans empfangen und doch auf dem Absprung? Dass der BVB mit Ousmane Dembele in die Saison geht, ist noch nicht sicher

Als letzter Spieler schlenderte Ousmane Dembele am Freitagabend um 20.52 Uhr aus den Katakomben des Westfalenstadions. Der 21-Jährige war einer der letzten, die nach der Teampräsentation in den Mannschaftsbus stiegen. Zuvor hatte er noch fleißig Autogramme geschrieben, sich mit Fans vor der Kamera ablichten lassen.

Bei Borussia Dortmund dreht sich derzeit (fast) alles um den Shootingstar. Fans, Verantwortliche und womöglich auch Dembele selbst ahnen: Es könnten die letzten gemeinsamen Stunden sein. 

Übereinstimmenden Medienberichten aus Frankeich und Spanien zufolge plant der FC Barcelona einen Großangriff auf den BVB-Stürmer, um den zu Paris Saint-Germain abgewanderten Neymar zu ersetzen

Die L'Equipe, Frankreichs größte Fußball-Zeitschrift, schrieb am Freitagabend, Barcelona habe seine Bemühungen um Dembele deutlich intensiviert. Der Spieler solle unbedingt kommen.

Der spanische TV-Sender Gol zitierte kurz darauf sogar Dembele  selbst mit den Worten: "Barcelona ist ein großartiger Klub. Alle Spieler würden gerne dort spielen. Es ist eine Ehre, seinen Namen auf der Liste der Spieler zu sehen, die Barcelona will. Wir werden sehen, was passiert."

Noch kein Angebot von Barca

Nach SPORT1-Informationen ist bislang zwar noch kein Angebot bei Borussia Dortmund eingegangen. Auch haben weder Vereinsoffizielle noch Spielerberater Kontakt zum BVB aufgenommen. 

Sollte sich das ändern, würde es die Öffentlichkeit umgehend erfahren: Als börsennotiertes Unternehmen müsste der BVB seine Aktionäre per Ad-hoc-Meldung über eine Offerte von Dembele unterrichten. Weil davon auszugehen ist, dass es in dieser Sache um Summen geht, die Einfluss auf den Aktienkurs haben.

Im Raum steht eine Ablöse von 100 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach soll Barca sogar bereits sein, seinen Flügelstürmer Gerard Deulofeu noch oben drauf zu packen. 

Die Frage, die sich stellt: Wird der BVB irgendwann schwach? Eine offizielle Schmerzgrenze wie bei Pierre-Emerick Aubameyang, bei der der Klub bereit wäre zu verhandeln, gibt es bei Dembele jedenfalls nicht.

Schmerzgrenze bei 100 Millionen Euro?

Die Aussicht auf eine dreistellige Ablösesumme würde die Bosse Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc wohl ins Grübeln bringen. In Dortmund ist man sich aktuell aber noch uneinig, ob Dembele so kurz vor Saisonstart wirklich noch sinnvoll zu ersetzen wäre.

Ein Verkauf ist momentan Abwägungssache, die von mehreren Faktoren beeinflusst wird. Wird sich Dembele weiter reinhängen, selbst wenn der Verein sich einem Wechsel verweigert? In etwa so wie es Robert Lewandowski tat, als man ihn 2013 nicht vorzeitig zum FC Bayern gehen ließ. Oder würde Dembele zum schmollenden Star werden?

Sollte diese Gefahr bestehen, wäre ein Verkauf vielleicht doch die bessere Lösung. Dann ist da aber noch die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit. Hat der BVB mit einem Dembele in Top-Form nicht wesentlich höhere Chance auf eine sportlich erfolgreiche Saison als ohne ihn?

Mit diesem Hintergedanken betonte Keeper Roman Bürki am Freitag am Rande der Teampräsentation: "Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns - sicher einer der allein Spiele gewinnen kann. Wir sind alle froh, dass er noch hier ist und ich hoffe, daran wird sich auch nichts ändern."

Dembele-Poker läuft

Für Trainer Peter Bosz ist die Situation alles andere als angenehm. Als hätte er in seiner ersten Saisonvorbereitung mit dem Umbau des Teams nicht schon genug zu tun, tut sich mit Dembeles ungewisser Zukunft jetzt auch noch eine weitere Baustelle auf. 

Am Samstag geht es für den BVB im Supercup gegen den FC Bayern (20.30 Uhr im LIVETICKER) um den ersten Titel der Saison. Dembele könnte einer der entscheidenden Akteure sein.

Das Problem: Bei jeder weiteren Gala-Leistung des Franzosen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Barca noch mehr Gefallen an ihm findet und ihn noch lieber verpflichten möchte.