„Pokémon Go“-Spieler sollen in den USA Schäden in Milliardenhöhe verursacht haben

Ein „Pokémon Go“-Spieler sucht nahe dem Kongress in Boston, Massachusetts, nach den Figuren. (Bild: AP Photo)

Das Massenphänomen Pokémon Go sorgte nicht nur für Spaß und Aufsehen, sondern auch für eine hohe Schadensbilanz. Schäden in Höhe von mindesten 7,3 Milliarden US-Dollar (6,2 Milliarden Euro) und tausende verletzte Menschen in den USA gehen auf das Konto des weltweit beliebten Handyspiels. Diese erschreckende Bilanz zogen nun die Autoren einer aktuellen Studie.

Die Wissenschaftler der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana untersuchten die Schäden, die durch Pokémon Go entstanden sind. In der Untersuchung mit dem dramatischen Namen „Death by Pokémon Go“ (dt.: Tod durch Pokémon Go) kamen die Ökonomen zu dem Ergebnis, dass manch ein Spieler derart tief in die „augmented reality“-Welt (erweiterte Realität) eintauchen würde, dass er seine Umgebung nur eingeschränkt oder gar nicht mehr wahrnehmen würde.

Auch beim Überqueren von Straßen werden die kleinen Figuren gesucht. (Bild: Getty Images)

Bei dem Spiel werden die Nutzer dazu angehalten, zu Fuß durch ihre Nachbarschaft zu streifen und die digitalen Kreaturen einzusammeln. Je mehr Strecke man dabei zurücklegt, desto mehr Figuren findet man. Doch viele Spieler nutzen dafür auch ihre Autos, in der Hoffnung, mehr und seltenere Kreaturen zu sammeln.

Als Basis für ihre Untersuchung wählten die Wissenschaftler exemplarisch eine bestimmte Region der USA aus. Der Bezirk Tippecanoe County in Indiana mit 170.000 Einwohnern konnte in den ersten 148 Tagen nach dem Launch von Pokémon Go exakt 286 Unfälle verzeichnen. 134 davon geschahen in der Nähe von Pokéstops, also jenen Orten, an denen die Spieler die Pokémon Go-Figuren virtuell einsammeln konnten, sogar beim Autofahren.

Tausende Verletzte soll das Spiel laut Studie bereits hervorgerufen haben. Hier erinnern Kränze an einen Unfall durch Pokémon Go. (Bild: Getty Images)

In einer Mitteilung zur Studie heißt es: „Basierend auf den detaillierten Polizeiberichten (…) konnten wir eine auffällige Steigerung an Unfällen mit Fahrzeugen und daraus resultierenden Schäden an Fahrzeugen, Personen und Todesfällen in der Nähe von Pokéstops dokumentieren, wo es Nutzern möglich ist, das Spiel während des Fahrens zu spielen.”

Die Untersuchung der sogenannten „Arenen“, also der Orte, wo das Spielen während des Fahrens nicht möglich ist, habe ergeben, dass hier keine vergleichbare Häufung von Unfällen zu verzeichnen war.

Die Hochrechnung auf die gesamte Fläche der USA erscheint dramatisch. Die Methode kann wegen der kleinen, teils schwankenden regionalen Basiswerte nicht als repräsentativ angesehen werden – sie vermittelt jedoch einen ungefähren Eindruck.

„Wir schätzen die landesweiten Kosten, die durch Nutzer verursacht wurden, die während des Fahrens Pokémon Go spielen, auf 5,2 bis 25,5 Millionen Dollar in einem Zeitraum von 148 Tagen”, so die Wissenschaftler. Auf die gesamten USA gerechnet, wird somit ein immenser Schaden in Höhe von 2 bis 7,3 Milliarden US-Dollar und bis zu 30.000 Verletzte berechnet. Laut Studie soll das Spiel auch für mindestens zwei Tote verantwortlich sein, die durch einen Unfall ums Leben kamen. Die Wissenschaftler betonen aber in ihrer Studie, dass die Zahlen auf Hochrechnungen basieren.

Für Deutschland ist bisher keine vergleichbaren Einschätzungen bekannt.