Poetry Slam: Reim in Flammen – Jahresfinale 2017 im Club Bahnhof Ehrenfeld

Das Poetry Festival meldet sich aus der Sommerpause zurück.

Es ist heiß an diesem Abend im Club Bahnhof Ehrenfeld. Der kleine Saal füllt sich langsam, aber sicher mit Menschen, funky Beats wummern durch die Luft. Binnen kurzer Zeit sind alle verschwitzt – und bester Stimmung. Das Publikum hat gute Laune beim Jahresfinale von „Reim in Flammen“ 2017, dem „charmantesten Poetry Slam in Köln“.

Die Veranstaltung war schon im Vorfeld restlos ausverkauft, entsprechend groß war der Andrang auf die nur wenigen Sitzplätze. Wer keinen mehr bekam, nahm kurzerhand auf dem Boden Platz, an den Wänden entlang, hinter den Sitzbänken oder einfach mitten im Raum. Einen kleinen Dämpfer mussten einige Gäste hinnehmen, die vor Showbeginn ihren Sitzplatz in der Mitte des Saals räumen mussten – Brandschutzbestimmungen.

Die Kölner Band JURI kam als Erstes auf die Bühne. Wer sie noch nicht kennt, sollte sich ihren Namen auf jeden Fall merken. Die drei Jungs machen einfach Spaß und sind – nicht unwichtig – auch ziemlich talentiert. Nach dem Opener rief Moderatorin Anke Fuchs also die Hauptakteure des Abends auf die Bühne: die Slammer und Slammerinnen.

Abstimmung mit Punktetafeln

Seit August 2016 wurden monatlich die Gewinner der Slam Contests bestimmt, die an diesem Abend erneut mit ihren Texten um die Gunst des Publikums buhlten. Im Gegensatz zu den vorherigen Applaus-Abstimmungen wurden dieses Mal allerdings Punktetafeln verteilt, mit denen Punkte von eins bis zehn vergeben werden konnten. Die Zehn fiel an diesem Abend gleich mehrfach. Und das völlig zurecht.

Die Texte der Slammer waren allesamt so gut konzipiert, dass nicht ein Beitrag unter 6,5 Punkte fiel. Die Themen reichten von unsichtbaren Grenzen zwischen den Menschen, von ausgedachten Träumen, vom herrlich überzogenen „Mann sein“ bis hin zu Hass-Lyrik im Studentenleben oder einer Fabel um eine „Rabenmutter“. Ob Kurzgeschichte, Gereimtes oder Rap, die Auswahl der Werke war bunt gemischt und unwahrscheinlich unterhaltsam.

„Rabenmutter“ hat gewonnen

Mit „Rabenmutter“, einem Text, der sogar schon etwas älter ist, gewann letztlich Florian Wintels. Schon im Halbfinale glänzte er mit den „perfekten letzten Worten“, zog neben Nils Frenzel, Björn Rosenbaum und Friedrich Herrmann in die Finalrunde des Abends ein.

Alle vier Finalisten bestachen mit ihren Werken, die das Publikum mit Wortwitz und Charme begeisterten. Doch auch wenn die Finalisten zum Schluss punktemäßig relativ eng beieinanderlagen, überzeugte Florian Wintels am meisten.

So legte er gleich los mit Teil eins seines Gangster-Rap-Märchen-Mixes. Was noch relativ locker mit verzerrter Märchenonkel-Stimme begann, steigerte sich zu einem schnellen Rap und gipfelte im zweiten Teil in der anderen Seite der Geschichte, der Kehrseite der Medaille. Und lässt Zuhörer mit einem Gefühl zurück, das sich ein bisschen anfühlt wie ein kleiner Schlag in den Magen.

„Mann, der schreibt vielleicht Texte!“, murmelt eine Zuschauerin beeindruckt im Anschluss, ehe die Punktetafeln hochgehalten wurden. Mehrmals eine glatte Zehn für Florian Wintels. Besser geht es kaum. So gewann er an diesem Abend eine Flasche Whiskey – und die Teilnahme an den „SLAM“-Poetry-Meisterschaften in Hannover.

Es bleibt ganz im Sinne von Wintels „Die perfekten letzten Worte“ nur noch eins zu sagen: Danke. Für die schöne Zeit. Wir sehen uns dann. Später....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta