Vom Podcast auf die Bühne - Stay Forever live in München: Schwanger mit World of Warcraft

Christoph Elzer

"Stay Forever" ist laut eigner Definition "ein Podcast über alte Spiele von zwei alten Männern". Die ehemaligen Spiele-Journalisten Gunnar Lott und Christian Schmidt sprechen darin über Retro-Games. Jetzt taten sie dies erstmals live in München.

München – Als Lott und Schmidt noch gemeinsam bei der Gamestar arbeiteten, war der Spiele-Journalismus in voller Blüte: Magazine hatten regelmäßig mehr als 200 Seiten, Zeitschriften-Neugründungen gab es quasi im Wochenrhythmus und ohne die Heft-CD mit Demos oder Patches konnte kein Gamer leben. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, der Spiele-Journalismus steckt im Internet-Zeitalter einer geradezu existenziellen Krise.

Am Freitagabend war davon aber nichts zu merken. Nach ihrem Abschied aus dem Journalismus starteten Lott und Schmidt im August 2011 den Podcast "Stay Forever", in dem sie pro Folge rund 90 Minuten lang über ein bestimmtes Spiel oder eine Spieleserie aus den 80ern und 90ern sprechen. Das begeistert mittlerweile so viele Gamer, dass es am Freitagabend den Auftakt zu einer Live-Tour gab.

Rund 100 Gamer, die meisten wie die Protagonisten selbst in der Zeit von Atari und 386er-Prozessoren aufgewachsen, waren gekommen, um sich anzusehen, wie aus einem Audio-Programm eine Bühnenshow wird. Für Gunnar Lott und Christian Schmidt hätte der Auftakt kaum dankbarer sein können. Die eingefleischten Fans waren ein so wohlwollendes Publikum, dass sogar Lott irgendwann spottete: "Hier kriegt man ja echt für alles Applaus."

Gamer unter sich: Gemeinsam in Erinnerungen schwelgen

Allerdings gaben die beiden dazu auch einigen Anlass. In einer Art Impro-Comedy sinnierten sie über Games und Gesellschaft, philosophierten über Spiele-Konzepte, die "das nächste heiße Ding nach der T-Aktie" seien und amüsierten sich über das vermeintliche Versagen des jeweils anderen bei gemeinsamen Spiele-Sessions. Tiefschürfender als ein Auftritt von Mario Barth (der auch mal Ziel einer Pointe wurde) war das zwar auch nicht, aber deutlich unterhaltsamer.

Eloquent und mit Entertainer-Qualitäten machten Lott und Schmidt Geschichten über Umtauschversuche im Spieleladen, Vergleiche von Schwangerschaft, Geburt und Kindeserziehung mit World und Warcraft oder den Kampf mit 6.000 Spiele-Verpackungen zu erstaunlich kurzweiliger Abendunterhaltung. 90 Prozent der Gags hätten zwar 90 Prozent der Münchner sicher nicht verstanden, doch die anwesende Zielgruppe bekam genau das serviert, was sie sich erhofft hatte.
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