BIP legt mehr als 4 Prozent zu – Trump reklamiert den Erfolg für sich


Donald Trump hat die gute amerikanische Konjunktur seinen eigenen Verdiensten zugesprochen: „Wir haben eine historische Wende für unsere Wirtschaft geschafft“, sagt der US-Präsident in einem von ihm auf Twitter geteilten Video. „Einmal mehr beneidet uns die ganze Welt um unsere Wirtschaft“, so Trump weiter. Wenn er sich mit anderen Staatsoberhäuptern treffe, würden sie ihm zu der guten ökonomischen Lage gratulieren.

Der „America First“-Politik sei zu verdanken, dass die USA in der Welt wieder respektiert würden, und „gewinnen“.

Trump bezog sich damit auf die am Freitag veröffentlichten Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Demnach stieg das BIP der USA im zweiten Quartal 2018 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 4,1 Prozent, wie das Handelsministerium auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. So stark war die Wirtschaft des Landes zuletzt 2014 gewachsen, unter Präsident Barack Obama.


Im ersten Quartal hatte es noch ein Plus von 2,2 Prozent gegeben. Für Schwung sorgte der private Konsum, der mehr als zwei Drittel des BIP ausmacht. Die Verbraucher gaben 4,0 Prozent mehr aus als zuletzt.

Erfolg könnte von kurzer Dauer sein

Die meisten Experten glauben laut der Agentur Bloomberg allerdings nicht, dass das Hoch von langer Dauer ist. „Ich würde die zugrunde liegende Stärke des BIP anhand der Zahlen vom Freitag nicht überbewerten“, sagte Omair Sharif von der Bank Societe Generale vor der Veröffentlichung des Ministeriums.

„Der Handel hat für großen Auftrieb gesorgt, aber das geht vorbei. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass wir vier Prozent Wachstum bekommen oder selbst drei Prozent auf einer nachhaltigen Basis“, sagte Sharif zu Bloomberg.

US-Präsident Donald Trump will das Wachstum mit seiner radikalen Steuerreform auf mindestens drei Prozent hochtreiben. Um das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft zu verringern, ist die Notenbank Fed zugleich entschlossen, die Zinszügel weiter zu straffen.


Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell in diesem Jahr noch zwei Mal nachlegen. Derzeit liegen die Leitzinsen in einer Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Jüngst hatte Trump mit der Tradition von US-Präsidenten gebrochen und die politisch unabhängige Fed wegen der Zinsschritte öffentlich kritisiert.

Die neuen Zahlen bezeichnete der Präsident, ganz im gewohnten Trump-Jargon, als „großartig“. „Wir haben eine wirtschaftliche Kehrtwende historischen Ausmaßes erzielt“, sagte Trump zu Reportern vor dem Weißen Haus. Nach seinen Worten sind die Zahlen nachhaltig und keine einmalige Angelegenheit.

Kein spürbarer „Trump-Effekt“

Ökonomen des europäischen Forschungsnetzwerks „Centre for Economic Policy Research“ (CEPR) hatten errechnet, dass es keinen spürbaren „Trump-Effekt“ auf das US-Wirtschaftswachstum gebe.

Laut der Studie hätten sich sowohl das BIP als auch der Arbeitsmarkt ohne Donald Trump an der Spitze der US-Regierung beinahe identisch entwickelt. Dies fanden die Forscher heraus, indem sie einen „Doppelgänger“-Staat, den ein Algorithmus aus OECD-Daten gebildet hatte, mit der wirtschaftlichen Entwicklung der USA verglichen.


Seit der Wahl Trumps zum Präsidenten im Jahr 2016 ist die Entwicklung der USA nicht wesentlich von der Entwicklung des USA-Doppelgängers – ohne Präsident Trump – abgewichen.

„Wir sind überzeugt, dass Präsident Trump die ‚größte Wirtschaft aller Zeiten‘ geerbt hat“, schrieben die Wissenschaftler. „Wir stellen jedoch auch fest, dass es bisher keine Hinweise dafür gibt, dass Präsident Trump eine Verschlechterung der makroökonomischen Leistung in den USA verursacht hat.“