"Zu viel für uns": Istanbuls Hexenkessel lähmt Leipzig

Leipzig kassierte die erste Niederlage in der Champions League

Missglückte Auswärts-Premiere: Neuling RB Leipzig musste im Hexenkessel von Istanbul reichlich Lehrgeld zahlen und bangt in der Champions League um das Erreichen des Achtelfinals.

Der deutsche Vizemeister unterlag beim cleveren türkischen Meister Besiktas Istanbul mit 0:2 (0:2) und kassierte bei seinem zweiten Auftritt in der Königsklasse seine erste Niederlage.

Vor allem nach der Pause gingen die Leipziger fahrlässig mit ihren Chancen um.

"Ich muss der Heimmannschaft gratulieren. Wir haben wegen der ersten Halbzeit verdient verloren. Die Atmosphäre hat unserer Mannschaft sehr zugesetzt. Das war für den einen oder anderen zu viel", sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl.

Atmosphäre beeindruckt RB

Dem schloss sich Defensivmann Stefan Ilsanker an: "Man spielt nicht jedes Wochenende vor einer Kulisse, wo man auf fünf Metern nichts mehr hört. Ich glaube, das haben noch nicht viele von uns erlebt. Dementsprechend war es schwierig zu kommunizieren auf dem Platz."

Besiktas-Kapitän Oguzhan Özyakup ging noch einen Schritt weiter: "Leipzig war von der Atmosphäre stark beeindruckt. Ein paar ihrer Spieler wollten nach 20 Minuten raus."

Vor 36.641 Zuschauern erzielten Ryan Babel (11.) und Anderson Talisca (43.) die Tore für die Türken. In der 59. Minute musste die Partie wegen des Ausfalls der Flutlichtanlage für zehn Minuten unterbrochen werden. In der ersten Hälfte hatte bereits Leipzigs Nationalstürmer Timo Werner nach nur 32 Minuten wegen Kreislaufproblemen das Feld verlassen müssen (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

"Wir haben in der zweiten Hälfte gezeigt, dass wir, wenn wir mutig spielen, auch in Istanbul mithalten können. Man hat heute aber auch gesehen, dass wir als junge Mannschaft noch dazu lernen müssen", sagte RB-Kapitän Willi Orban.


Keita kehrt zurück

Leipzig hat in der Gruppe G nach dem 1:1 im Auftaktmatch zu Hause gegen den AS Monaco weiterhin nur einen Punkt auf dem Konto. Besiktas stieß mit nun sechs Punkten das Tor zur K.o.-Runde frühzeitig weit auf (Tabelle der Champions League).

Zunächst gab es gute Nachrichten für RB. Naby Keita war nach seiner Verletzung im Oberschenkel wieder fit und stand in der Startelf. Neuzugang Kevin Kampl hatte seine Entzündung am Sprunggelenk ebenfalls ausgestanden und saß auf der Bank.

Neu in der Viererkette stand Stefan Ilsanker, der den Vorzug vor Lukas Klostermann erhielt. Im Sturm setzte Trainer Ralph Hasenhüttl neben Nationalspieler Werner wie in der Liga auf den französischen Jung-Star Jean-Kevin Augustin (Spielplan und Ergebnisse der Champions League).

Sorge um Werner

Istanbul begann mit gehörigem Druck. Nach einer Flanke von Ricardo Quaresma konnte Leipzigs Keeper Peter Gulacsi (4.) gerade noch zur Ecke retten. Kurz darauf sah Kapitän Willi Orban nach einem Zweikampf gegen Cenk Tosun schon Gelb (8.), ehe es im Leipziger Tor einschlug. Wieder setzte sich der starke Tosun auf dem linken Flügel durch, legte auf Babel ab, und der Ex-Hoffenheimer schoss zum 1:0 ein.

Leipzig taumelte sichtlich, kam nicht in sein gefürchtetes Umschaltspiel, sondern wurde weiter in die Defensive gedrängt. Keita kassierte nach wiederholter Attacke Gelb (16.) und stand nach weiteren unsauberen Aktionen vor einem Platzverweis.


RB-Trainer Hasenhüttl wollte Keita schon vom Platz holen, doch musste Werner raus, so dass Klostermann zunächst für den Nationalspieler aufs Feld kam. Leipzig wurde in der Folgezeit etwas stärker und kam häufiger in die Nähe des gegnerischen Strafraumes. Marcel Sabitzer (34.) und Emil Forsberg (35.) versuchten ihr Glück aus der Distanz, zielten aber zu ungenau.

Chancenwucher in Hälfte zwei

Istanbul blieb aber weiter gefährlich und riss die Gäste noch vor der Pause aus allen Träumen. Nach einem starken Dribbling und einer gefühlvollen Außenrist-Flanke von Quaresma war Talisca schneller als Ilsanker am Ball und köpfte zum 2:0 unter die Latte ein.


Zur zweiten Halbzeit brachte Hasenhüttl Kampl für Orban, und erhoffte sich dadurch mehr Angriffsdruck. Leipzig steigerte sich sichtbar, Forsberg eröffnete in der 48. Minute die Aufholjagd mit einem erneut gefährlichen Weitschuss. Der Flutlichtausfall unterbach die Drangphase, was bei Hasenhüttl und Ilsanker für Verwunderung sorgte.

Nach der zwanghaften Pause machte Leipzig aber weiter Druck. Auch Sabitzer und Augustin verpassten gute Gelegenheiten. In der Schlussphase vergaben aber auch die Gastgeber noch gute Möglichkeiten.

"Wir können stolz auf die zweite Halbzeit sein. Da haben wir versucht, unseren Fußball auf den Platz zu bekommen", so Hasenhüttl.