War es das für Stöger? Köln nach nächster Pleite am Boden

Der 1. FC Köln kassierte gegen Hertha BSC bereits die 11. Saisonpleite

Es war ein Bild des Jammers. Ein Bild, das nur ein designierter Absteiger abgeben kann.

Mit leeren Gesichtern und hängenden Köpfen schlichen einzelne Spieler des 1. FC Köln in Richtung Südtribüne. Dort wartete nur noch der harte Kern der leiderprobten Fans, während die meisten Zuschauer das Stadion längst verlassen hatte.

Nach dem 0:2 (0:1) gegen  Hertha BSC und einer über weite Strecken leblosen Vorstellung droht auch der letzte Funken Hoffnung auf den Klassenerhalt zu verglühen. Die elfte Saisonniederlage am 13. Spieltag, besiegelt durch einen Doppelpack von Vedad Ibisevic (17./64. Foulelfmeter), traf ganz Köln ins Herz.


Horn: "Teilweise leblos"

Nur drei Tage zuvor hatte der FC mit dem Sieg in der Europa League gegen den FC Arsenal (1:0) ein Lebenszeichen gesendet, nun zog Torwart Timo Horn ein vernichtendes Fazit über einen Nachmittag, an welchen den Kölnern schlichtweg praktisch nichts gelang: "Das war teilweise leblos" und sei "viel zu wenig, um in der Bundesliga zu bestehen." Trainer Peter Stöger gab bei Sky zu: "Mit jeder Niederlage, mit jedem Rückstand wird es schwieriger, den Glauben zu vermitteln." Aufgeben will er aber weiter nicht: "Ich habe einen Vertrag unterschrieben und versuche, ihn so gut es geht zu erfüllen So lange niemand auf mich zukommt und sagt, es ist nicht mehr gut genug oder wir stellen uns etwas anderes vor, ist es meine Verantwortung, dem nachzukommen."


Vieles spricht nach dem Auftritt am Sonntagnachmittag aber eher dafür, dass das Ende des einstigen Erfolgscoachs näher rückt, auch wenn sich nach der Partie niemand aus der Führungsriege der Geißböcke mehr äußern wollte (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

Allerdings ließ Vize-Präsident Toni Schumacher am Sonntagmorgen im Check 24 Doppelpass bei SPORT1 durchblicken, dass er die Partie gegen Berlin zwar nicht als Endspiel für den Österreicher verstehen wolle, zugleich aber klar machte, dass die Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentiert maßgeblich für die Entscheidungsfindung sei.  "Wenn sie eine desaströse Leistung abruft und alles zusammenbricht, muss man drüber nachdenken."

Extreme Verletzungssorgen plagen Köln

Ob weiter mit, oder dann ohne Stöger, der Kampf gegen den drohenden Abstieg wird von Spieltag zu Spieltag immer komplizierter. Kapitän Matthias Lehmann sieht  "mehr als eine Mammutaufgabe" auf sein Team zukommen. Einen deutlichen Anflug von Resignation in der Stimme konnte der Routinier dabei nicht verbergen. "Was jetzt in den nächsten Tagen und Wochen passiert, das weiß ich nicht. Wir müssen jetzt erst einmal schauen, dass wir irgendwie ein Spiel gewinnen, egal wie. Das ist das einzige, was zählt".

Der Rückstand auf den SC Freiburg auf Relegationsplatz 16 beträgt bereits neun Punkte (Die Tabelle der Bundesliga) , zudem gehen dem FC die Profis aus. Nach zahlreichen Ausfällen standen gegen Berlin beim Schlusspfiff vier Teenager auf dem Platz. Darunter Yann Aurel Bisseck, mit 16 Jahren, 11 Monaten und 28 Tagen zweitjüngster Bundesliga-Debütant nach dem Dortmunder Nuri Sahin in der Saison 2005/06.


Kapitale Patzer in FC-Defensive

Auf die Personalprobleme wollten die Kölner den nächsten Rückschlag nicht schieben, auch nicht auf die Totenstille, die teilweise im Stadion herrschte. "Die Fans haben extreme Geduld mit uns, aber nur zwei Punkte, das ist einfach brutal", so Lehmann, der in der Dreierkette aushelfen musste und den Elfmeter, der zum 0:2 führte, mit einem stümperhaften Einsatz gegen Davie Selke verschuldete. 

Schon der 0:1-Rückstand hatte ins Bild der derzeit desolaten Kölner gepasst. Lukas Klünter verstolperte den Ball zur Ecke, bei der die gesamte FC-Abwehr Ibisevic aus den Augen verlor. Die Gastgeber waren zwar um eine schnelle Antwort bemüht, doch bis auf einen ordentlichen Angriff über Startelf-Debütant Claudio Pizarro und Sehrou Guirassy blieb Köln im ersten Abschnitt völlig harmlos (Die Ergebnisse des 13. Spieltags im Überblick).

Kaum Proteste über vermeintlichen Elfer

Dabei war auch die Hertha ohne viel Selbstvertrauen angetreten. Doch nach dem Aus in der Europa League am Donnerstag durfte sich Trainer Pal Dardai endlich über den ersten Auswärtssieg der Saison freuen. "Das erste Tor war wichtig, in der zweiten Halbzeit haben wir sehr diszipliniert verteidigt und die Konter gut ausgespielt", sagte der Ungar.

Wie wenig Vertrauen in die Wende in Köln noch herrscht, zeigte eine Szene in der 49. Minute. Herthas Karim Rekik hatte den Ball im Strafraum mit der Hand berührt, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus beriet sich minutenlang mit dem Videoassistenten Guido Winkmann und entschied sich gegen den Strafstoß für den FC. Proteste gab es daraufhin kaum, auch nicht von den Zuschauern, die sich in Köln anscheinend an die Niederlagen gewöhnt haben.