Pläne von SPD, Grünen, Linken und FDP analysiert: Mit dieser Partei spart ihr am meisten Steuern

Tristan Filges
·Lesedauer: 4 Min.

Die Einkommenssteuer dient dem Staat als Einnahmequelle und ermöglicht staatliche Investitionen und Sozialausgaben, aber sie ist auch ein beliebtes Mittel zur Umverteilung. In den vergangenen Wochen veröffentlichten die SPD, die Grünen und die Linken jeweils ihre Pläne für eine Reform der Einkommenssteuer. Am Mittwoch zog auch die FDP nach. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat berechnet, welche Auswirkungen das auf die verschiedenen Einkommensschichten hat. SPD, Grüne und Linke haben als Ziel angegeben, Geringverdiener und Menschen aus dem Mittelstand stärker entlasten zu wollen - Zahlen sollen Spitzenverdiener. um das zu erreichen, gehen sie allerdings unterschiedliche Wege.

SPD will Spitzenverdiener höher besteuern

Um sich für die Wahl im September stärker vom Koalitionspartner CDU/CSU abzugrenzen und die Sozialpolitik zu stärken, will die SPD Spitzenverdiener stärker zur Kasse bitten. Die oberen fünf Prozent in der Einkommensverteilung sollen zusätzlich drei Prozent ihres Gehaltes an Steuern zahlen. Das würde laut SPD Wahlprogramm dann für verheiratete Paare ab einem Einkommensanteil über 500.000 Euro pro Jahr und für Ledige ab 250.000 Euro gelten. Den Solidaritätszuschlag ganz abschaffen möchte die SPD weiterhin nicht. Er soll künftig weiter von Spitzenverdienern gezahlt werden.

Den Berechnungen des IW zu Folge würde eine Steuerreform, die den Vorschlag der SPD aufgreift, tatsächlich Menschen entlasten, die ein jährliches Einkommen bis 80.000 Euro haben. Ein Single mit 25.000 Euro Jahresgehalt würde 64 Euro Steuern pro Jahr sparen. Bei einem Jahresgehalt von 50.000 Euro wären sogar 120 Euro im Jahr. Für Singles mit einem Einkommen über 150.000 Euro pro Jahr würden sich die Steuern allerdings um knapp 2.000 Euro erhöhen.

Grüne und Linke setzen auf Erhöhung des Steuerfreibetrags

Die Grünen setzen auf ein anderes Mittel, um niedrige und mittlere Einkommen zu entlasten. Sie möchten den Grundfreibetrag erhöhen, auf den keine Steuern gezahlt werden müssen. Von einem höheren Freibetrag würden Menschen mit geringeren Einkommen relativ stärker profitieren. Auch die Grünen wollen zudem den Spitzensteuersatz von 42 auf 45 Prozent erhöhen, um so zusätzliches Geld in die Staatskassen zu bringen.

Durch die Steuerreform der Grünen würden Singles aller Einkommensgruppen knapp 100 Euro Steuern sparen. Allerdings würden Menschen mit hohen Einkommen durch die erhöhte Spitzensteuer auch hier drauf zahlen. Ein Single mit 150.000 Euro Einkommen müsste knapp 1000 Euro mehr zahlen - bei einem Einkommen von einer Millionen Euro sogar gut 25.000 Euro mehr pro Jahr.

Die Partei die Linke plant ebenfalls, den Grundfreibetrag zu erhöhen, will aber den Spitzensteuersatz sogar von bisher 42 auf 53 Prozent erhöhen. Der Spitzensteuersatz soll zudem bereits ab einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro gelten. Für Menschen mit einem Jahreseinkommen über einer Millionen Euro soll ein Reichensteuersatz von 75 Prozent gelten.

Das würde dazu führen, dass ein Einkommensmillionär jährlich knapp 130.00 Euro mehr bezahlen müsste. Zugute kommen würden die Reform der Linken Menschen mit einem Einkommen bis zu 50.000 Euro jährlich - sie würden 1.000 Euro pro Jahr sparen. Aber auch Menschen mit einem Einkommen von 150.000 Euro jährlich müssten schon 25.000 Euro mehr zahlen - das ist in etwas das, was Grüne und SPD für die Einkommensmillionäre fordern.

FDP wirbt mit Steuererleichterungen

Einen ganz anderen Weg will die FDP gehen. Diese möchte den allgemeinen Steuertarif für alle senken. Vom Gering- bis Spitzenverdiener sollen alle Einkommensschichten von Steuererleichterungen profitieren und so die Wirtschaft mit erhöhtem Konsum beleben. Laut IW könnte das vorerst zu fehlenden Steuereinnahmen des Staates in Höhe von 60 Milliarden Euro führen - möglicherweise aber langfristig die Wirtschaft stärken und den Verlust wieder wettmachen.

Außerdem plant die FDP, den Mittelstandsbauch im deutschen Steuersystem in drei einjährigen Schritten bis 2024 vollständig abzuschaffen und eine lineare Steuerlast über alle Einkommensschichten zu erreichen. Der Spitzensteuersatz soll bis auf 90.000 Euro steigen und der für Spitzenverdiener geltende Solidaritätszuschlag komplett abgeschafft werden.

Laut der Berechnung des IW würden Menschen mit einem Gehalt von 25.000 Euro im Jahr 592 Euro weniger Steuern zahlen müssen. Nur bei den Linken ist die steuerliche Entlastung für Menschen mit niedrigen Einkommen noch größer. Anders als bei SPD, Grünen und Linken würden aber hier die Spitzenverdiener mit einem Gehalt von 150.000 Euro mehr Netto vom Brutto haben - ganze 6.129 Euro würden sie durch die Pläne der FDP weniger zahlen.

Pläne für eine Steuerreform von CDU und AfD werden in den kommenden Wochen erwartet. Auch sie streben eine Entlastung vor allem mittlerer Einkommen an. Hier dürften höhere Einkommenssteuern für Spitzenverdiener ebenfalls keine größere Rolle spielen.