Die Pläne Pläne von Amazon für Indien machen Walmart Angst

Motley Fool Investmentanalyst

Als Amazon (WKN:906866) bekannt gab, dass man der am schnellsten wachsende Online-Anbieter in Indien ist, wurde gleichfalls bekannt, dass Walmart (WKN:860853) kurz vor dem Abschluss eines Deals steht, um eine Mehrheitsbeteiligung am indischen E-Commerce-Riesen Flipkart zu übernehmen.

Amazon und Walmart sind beide bestrebt, das „Amazon von Indien“ zu werden, und das aus gutem Grund: Indiens E-Commerce-Markt wird 2026 voraussichtlich einen Wert von 200 Milliarden Dollar erreichen; 2016 waren es gerade mal 15 Milliarden Dollar. Das erklärt, warum beide Unternehmen bereit sind, Milliarden von Dollar auszugeben, um im Land Fuß zu fassen.

Die Vorherrschaft in Indien könnte kriegsentscheidend sein, insbesondere für den Außenseiter Walmart. Während Alibaba (WKN:A117ME) China bereits für sich entschieden hat, ist das zweitgrößte Land in Sachen Bevölkerung, Indien, immer noch zu haben, und diese beiden Unternehmen streiten sich gerade drum.

Amazon will die Nummer eins in Indien werden

Amazon mag der führende Online-Händler in den USA sein, aber darauf ruht man sich bekanntlich nicht aus. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, 5,5 Milliarden Dollar in sein Geschäft in Indien zu investieren, in der Hoffnung, dass man dort Flipkart im Online-Handel überholen kann.

In einem kürzlich veröffentlichten Memo (18. April) behauptete Amazon CEO Jeff Bezos, dass die Shopping-App von Amazon die am meisten heruntergeladene App in der Shopping-Kategorie in Indien im Jahr 2017 sei. Und das, obwohl Amazon.in im Jahr 2013 an den Start ging, rund fünfeinhalb Jahre nach Flipcart. Amazon behauptet auch, dass man in Indien bereits den größten aktiven Kundenstamm außerhalb der USA habe.

Amazon teilte mit, dass man die gleiche Strategie anwendet wie in den USA, um sein Geschäft im Ausland auszubauen. Das bedeutet, dass man die wichtigste E-Commerce-Plattform aufbaut, indem man Prime-Mitgliedern Vorteile, Videoinhalte, Geräte und AmazonFresh bereitstellt. Das wird in Indien nicht anders sein.

Im Juli 2016, drei Jahre nach Launch, startete Amazon sein Prime Programm in Indien. Während eine jährliche Prime Mitgliedschaft in den USA 99 Dollar kostet, kostet sie in Indien nur 15 Dollar pro Jahr, weil das Pro-Kopf-Einkommen nur ein paar Dollar pro Tag beträgt. Im Dezember 2016 erweiterte Amazon seine Plattform in Indien um Prime Video, und im Februar 2018 brachte Amazon seinen Prime Music-Service nach Indien.

Als nächstes plant Amazon laut Amit Agarwal, dem CEO von Amazon Indien, seinen Lieferservice für Lebensmittel in Indien zu erweitern. Er sagte, dass Amazon bereits mit der Lieferung frischer Lebensmittel in begrenztem Umfang in Indien experimentiert hat, wo Haushaltswaren wie Seifen und Reinigungsprodukte die meistverkauften Produkte sind. Er prognostiziert, dass Lebensmittel und Verbrauchsmaterialien innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als die Hälfte des Geschäfts von Amazon.in ausmachen werden.

Amazon will ran an die rund 500 Millionen Internetnutzer in Indien. Je mehr Prime Vorteile Amazon zu seinem Geschäft in Indien zufügt, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese Internetnutzer Amazon als ihre bevorzugte Online-Plattform nutzen. Bisher scheint es zu funktionieren, denn Amazon.in hat im ersten Jahr mehr Prime Mitglieder als jede andere Region. Mitgliedschaften sind für den Handel wichtig, weil sie Vertrauen und Loyalität beim Verbraucher schaffen.

Walmart sucht Flipkarts Bündnis gegen Amazon.in

Walmart steht kurz davor, einen Deal zum Kauf einer Mehrheitsbeteiligung an Flipkart für mindestens 12 Milliarden Dollar abzuschließen, und es ist sicherlich kein Zufall, dass dies genau zu dem Zeitpunkt geschieht, da Amazon das Wachstum seines Geschäfts in Indien preist.

Flipkart startete im Oktober 2007 und verlor im letzten Jahr 1,4 Milliarden Dollar gegenüber 3 Milliarden Dollar im Einkommen. Der Deal mit Walmart, der in den nächsten zwei Wochen abgeschlossen werden soll, würde Flipkart mit rund 18 Milliarden Dollar bewerten.

Wenn der Deal zustande käme, wäre dies der größte Kauf von Walmart seit fast 20 Jahren. Mit anderen Worten: Walmart ist sich bewusst, wie wichtig Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern für die Zukunft des Online-Handels ist, und ist bereit, sich richtig ins Zeug zu legen, um einen Teil dieses Marktes zu erobern.

Walmart hat bereits 2009 sein erstes Ladengeschäft in Indien eröffnet und verfügt derzeit über 21 Best Price Modern Wholesale Stores. Um in diesen Geschäften einkaufen zu können, muss man Mitglied sein, was ein Versuch von Kundenbindung zu sein scheint, genau wie es Amazon mit seiner Prime Mitgliedschaft tut. Aber Walmart begann in Indien erst im Juli 2014 mit dem Start einer Online-Shopping-Plattform, als man die B2B-E-Commerce-Website www.bestpricewholesale.co.in launchte. Das war rund ein Jahr, nachdem Amazon seine eigene Website in Indien gestartet hatte.

Wenn Walmart eine Beteiligung an Flipkart erwirbt, wäre das eine ähnliche Strategie wie in China, wo man im Jahr 2016 den chinesischen E-Commerce-Service Yihaodian an JD.com für einen Anteil von 5 % verkaufte. Seitdem hat Walmart den Anteil an JD.com auf 12,1 % erhöht. Die beiden Unternehmen haben sich durch die Integration ihrer Plattformen, Kundenstämme und Bestände gegenseitig wertvolle Dienste geleistet. Walmart hat Zugang zu JD.coms großem Bestand an Online-Kunden, während JD.com sein Inventar in den Läden von Walmart lagern kann. Es ist vergleichbar mit der für beide Seiten profitablen Beziehung zwischen Amazon und Whole Foods, die aus 479 Läden und Standorten bestand.

Wenn der Deal durchgeht, wird Amazon dies Feuer unter dem Hintern machen, um den Ausbau von Prime in Indien richtig zu beschleunigen. So oder so ist klar, dass Amazon und Walmart es ernst meinen, sich jetzt auf Indien zu konzentrieren, damit sie einen Zukunftsmarkt erobern können, der mit 200 Milliarden bewertet wird.

Mehr Lesen

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon.

Dieser Artikel von Natalie Walters erschien am 30.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2018