Plädoyers im Prozess um rechtsextreme Gruppe Freital

Im Prozess um die rechtsextreme Gruppe Freital vor dem Oberlandesgericht Dresden hat die Bundesanwaltschaft für die acht Angeklagten mehrjährige Jugend- und Haftstrafen gefordert. In einem mehrstündigen Plädoyer forderte der Vertreter des Generalbundesanwalts, Jörn Hauschild, am Mittwoch von fünf Jahren Jugendstrafe bis zu elf Jahren Freiheitsstrafe für einen der mutmaßlichen Rädelsführer, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Den sieben Männern und einer Frau wird unter anderem die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung und versuchter Mord vorgeworfen.

Sie sollen sich der Anklage zufolge spätestens im Sommer 2015 mit weiteren Gleichgesinnten zusammengeschlossen haben, um Sprengstoffanschläge auf Asylheime und politische Gegner zu verüben. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft handelten sie aus einer rechten und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus. Die Angeklagten hätten "ein Klima der Angst" schaffen wollen und den Tod von Menschen in Kauf genommen.

Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die mutmaßlichen Täter, im Sommer und Herbst 2015 insgesamt fünf Anschläge auf das Auto eines Linken-Stadtrats aus Freital, auf ein Parteibüro der Linkspartei, auf zwei Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt und ein linkes alternatives Wohnprojekt in Dresden verübt zu haben.

Bei den mit selbstgebauten Sprengsätzen, Steinen und illegaler Pyrotechnik begangenen Anschlägen wurden zwei Menschen verletzt. In einem Fall erlitt ein junger Mann wegen eines explodierten Sprengkörpers eine vorübergehende Hörbeeinträchtigung. Bei einem Anschlag auf eine Asylunterkunft in Freital wurde ein Asylbewerber durch Glassplitter am Auge und im Gesicht verletzt.

Voraussichtlich am Freitag sollen die Plädoyers der Nebenklage beginnen, dann folgen die Verteidiger der Angeklagten mit ihren Schlussvorträgen.

Der Prozess, der unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, hatte im März vergangenen Jahres in einem eigens ausgebauten Hochsicherheitsaal begonnen. Der jüngste Angeklagte, ein zur Tatzeit 18-Jähriger, hatte die Vorwürfe vor Gericht eingeräumt und auch die Mitangeklagten belastet. Auch einer der Hauptangeklagten und mutmaßlichen Rädelsführer der Gruppe Freital, Patrick F., räumte im Prozess seine Beteiligung an den Anschlägen ein.