Plädoyer im NSU-Prozess: Die Männer in Zschäpes Schatten

Die Bundesanwaltschaft sieht ihren Verdacht gegen Wohlleben und Carsten S. bestätigt.

Am fünften Tag des Plädoyers der Bundesanwaltschaft ging es am Dienstag im NSU-Prozess erneut um die Rolle der Mitangeklagten Ralf Wohlleben und Carsten S.. Beide müssen sich vor dem Oberlandesgericht München wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen verantworten. Beide sind nach Überzeugung der Anklage an der Beschaffung der Pistole beteiligt gewesen, mit der neun der zehn Morde der Terrorzelle begangen worden sind.

Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten sagte, der Anklagevorwurf gegen die beiden mutmaßlichen Terrorhelfer habe sich durch die Beweisaufnahme „in vollem Umfang bestätigt“. Wohlleben und S. hätten sich den fremdenfeindlichen Vorstellungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos „unbedingt verpflichtet“ gefühlt. Ihnen sei bewusst gewesen, dass mit der Pistole „Menschen nichtddeutscher Herkunft“ getötet werden sollten.

Der 379. Verhandlungstag rückte die Männer in den Fokus, die „mehr oder weniger im Schatten“ der Hauptangeklagten Zschäpe gestanden hätten (Weingarten). Nach der an diesem Mittwoch beginnenden vierwöchigen Gerichtspause wird das Plädoyer fortgesetzt und sich den Nummern drei und vier auf der Anklagebank, André E. und Holger G., widmen. Das Strafmaß für alle fünf Angeklagten wird Bundesanwalt Herbert Diemer erst am Ende des Plädoyers im September fordern.

Die Beweisaufnahme hat nach Ansicht der Ankläger zweifelsfrei ergeben, dass die Mordserie des NSU, die beiden Anschläge in Köln und die 15 Raubüberfälle nicht ohne Mitwirkung der vier mitangeklagten Komplizen möglich gewesen wäre.

Welche Rolle haben dabei Ralf Wohlleben und Carsten S. gespielt? Als Hauptverantwortlichen hat die Bundesanwaltschaft von Anfang an den heute 42-jährigen Informatiker und NPD-Funktionär Wohlleben angesehen. Der Jenaer ist deshalb auch der einzige der vier Mitangeklagten von Beate Zschäpe, der wie sie seit mehr als fünfeinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt. Prozessbeobachter gehen nach dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft davon aus, dass Wohlleben mit einer hohen Gefängnisstrafe zu rechnen hat. Auf eine seiner zahlreichen Haftbeschwerden reagierte der BGH schon 2015 mit dem Hinweis, die zu erwartende Strafe...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung