Pizzakette Domino's handelt sich mit Werbeaktion Ärger ein

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

Mit einer Werbeaktion richtete sich Domino’s in Australien und Neuseeland an eine sehr spezifische Gruppe der Bevölkerung: Frauen mit dem Namen Karen. Die Reaktionen darauf waren derart negativ, dass die Kette sich zur Entschuldigung gezwungen sah.

Die Pizzakette Domino's hat sich einen Shitstorm eingehandelt (Symbolbild: Matt Cardy/Getty Images)

Im englischsprachigen Raum und insbesondere in den USA hat sich der Name “Karen” zur abwertenden Bezeichnung für weiße, vornehmlich mittelständische Frauen entwickelt, die sich gerne lautstark beschweren und schnell dazu neigen, den Geschäftsführer sprechen zu wollen oder gar die Polizei zu rufen. Insbesondere in den vergangenen Monaten, in denen die Corona-Krise und Rassismus-Proteste die Gesellschaft prägten, war diese Bezeichnung in Mode, denn per Definition weigert sich eine “Karen” aus Prinzip, Mundschutz zu tragen und reagiert besonders streitbar auf dunkelhäutige Menschen.

Rassismus-Debatte: Eis-Hersteller ändern Produktnamen

Nun gibt es freilich eine enorme Zahl an Frauen, die Karen heißen, sich aber keinesfalls auf diese Weise verhalten. Eben jenen Damen wollte die Pizzakette Domino’s in Australien und Neuseeland mit einer Werbeaktion eine Freude machen. Die Kette bot 100 Frauen, “die Karen heißen, aber keine ‘Karens’ sind”, eine Gratis-Pizza an. Wer mit einem Ausweis beweisen konnte, Karen zu heißen und mit einem Kurzaufsatz von maximal 250 Wörtern erklärte, warum man zu den netten Trägerinnen dieses Namens gehört, konnte sich für die Aktion bewerben.

Es ist eine schwere Zeit für Karens. Karen, die Krankenschwester, Karen, die Lehrerin, Karen, die Nachbarin, Karen, die Maskenträgerin - wir sitzen alle in einem Boot, aber eine lautstarke Minderheit, die glaubt, dass Regeln und Gesetze nicht für sie gelten, hat Karens einen schlechten Ruf gegeben. Wir wissen, dass es viele Australierinnen gibt, die Karen heißen, aber keine ‘Karens’ sind.

Heftige Kritik bringt Neuseeland zum Umdenken

Die Aktion ging allerdings nach hinten los. Schnell hagelte es Kritik von Menschen, die den Werbegag als unsensibel und fehlgeleitet empfanden. “Seit wann ist es schwierig, eine weiße Person zu sein?” hieß es in den Kommentaren und den Facebook-Posts, das die Aktion in den beiden Ländern bewarb. Eine andere Person schrieb: “Können wir die ‘Karen’ für eine Degradierung nominieren, die fand, dass dies ausgerechnet jetzt eine gute Marketing-Masche sei? Seid ihr unsensibel oder einfach nur dumm? Löscht das.”

Neues Logo: Rassismus-Debatte lässt Uncle Ben’s verschwinden 

Auch wurde darauf hingewiesen, dass es Leute gibt, die Gratis-Pizza besser benötigen als mittelständische Frauen: “Warum spendet ihr eure Pizzen nicht an diejenigen, die sie wirklich brauchen könnten? Zum Beispiel Obdachlose?” schrieb ein Facebook-Nutzer.

Domino’s in Neuseeland reagierte schließlich und zog die Aktion mit einer Entschuldigung zurück. Man habe den Leuten lediglich ein Lächeln ins Gesicht zaubern wollen, könne jedoch verstehen, warum die Sache anders interpretiert wurde als vorgesehen. “Wir hatten es nur auf Inklusion abgesehen”, heißt es in dem neuen Facebook-Post. “Wir wollen, dass ihr wisst, dass wir immer zuhören und uns korrigieren, wenn wir es falsch gemacht haben. Es tut uns leid.” In Australien läuft die Aktion bislang weiter.

Bild: "Black-Lives-Matter"-Schriftzug prangt nun groß vor dem Trump-Tower