Pizarro: "Müller steckt das nicht so einfach weg"

Reinhard Franke

Claudio Pizarro war einer der erfolgreichsten Bundesliga-Stürmer. Und ist der Ausländer mit den meisten Treffern.

Nach der vergangenen Saison wurde sein Vertrag bei Werder Bremen nicht mehr verlängert. Pizarro fühlt sich aber fit genug, um noch ein Jahr zu spielen. Sein großer Traum: Er will mit seinem Land Peru bei der WM 2018 in Russland dabei sein.

Nun wartet er auf Anfragen von Klubs. Im SPORT1-Interview spricht Pizarro über seinen anderen Ex-Klub FC Bayern, Nationalspieler Thomas Müller und den neuen FCB-Sportchef Hasan Salihamidzic.  

SPORT1: Herr Pizarro, wie geht es Ihnen ohne Fußball?

Claudio Pizarro: Mir geht es gut und ich versuche jedes Wochenende Fußball zu schauen, auch wenn ich nicht mehr aktiv spiele. Ich will schließlich wissen, was in der Bundesliga los ist. Ich interessiere mich natürlich, was meine früheren Vereine Werder Bremen und Bayern München machen.


SPORT1: Das erste Jahr von Bayern-Coach Carlo Ancelotti lief gut, aber gut reicht beim Rekordmeister nicht. Einige Experten sagen den Münchnern ein schwieriges Jahr voraus. Sie auch?

Pizarro: Es wird zumindest nicht alles wie von selbst laufen. Carlo Ancelotti hatte es als Nachfolger von Pep Guardiola nicht leicht. Ähnlich wie damals, als dieser auf Jupp Heynckes folgte. Guardiola gewann im ersten Jahr nur zwei Titel und schaffte kein Triple. Bei Bayern ist es immer schwierig als neuer Trainer. In diesem Verein zählen nur Titel. Ancelotti weiß das. Er ist erfahren genug, hat viele gute Spieler in seinem Kader. Einige von denen werden nicht glücklich sein, wenn er Entscheidungen treffen muss. Wichtig ist, dass das Team begreift, dass es mit Ancelotti an einem Strang ziehen muss und ein gemeinsames Ziel hat. Am Ende der Saison muss dieses Ziel beim FC Bayern dann erreicht werden. Leicht wird es für Ancelotti nicht. Und er wird immer Entscheidungen treffen, mit denen Spieler nicht glücklich sind.


SPORT1: Thomas Müller kann gerade im Verein auch nicht glücklich sein. Er hat seinen Stammplatz verloren. Wie bewerten Sie seine Situation?

Pizarro: Es ist eine schwierige Situation für Thomas. Ich kenne ihn sehr gut, gehe ab und zu mit ihm Golf spielen. Als Trainer würde ich ihn immer in meinem Team haben wollen. Ich bin zuversichtlich, dass auch wieder bessere Tage für ihn kommen werden und er seine Chance zu spielen bekommen wird. Er darf nicht aufgeben, daran zu glauben. Aber das wird Thomas nicht. Manchmal bringt ein Trainer andere Spieler, denen er gerade vertraut. Es hat augenblicklich den Anschein, als habe Thomas nicht das volle Vertrauen von Ancelotti. Es wird nicht einfach für ihn.

SPORT1: Glauben Sie, dass ein Vereinswechsel für ihn besser gewesen wäre?

Pizarro: Das ist seine persönliche Entscheidung und ich glaube, dass Thomas sich unbedingt bei Bayern zeigen und durchsetzen will. So cool, wie alle immer denken, ist Thomas nicht. Er steckt das nicht so einfach weg. Er will unbedingt spielen. Er war nach Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm der einzige echte Münchner im Team. Und so eine Identifikationsfigur will natürlich das absolute Vertrauen im Klub. Thomas ist gerade nicht glücklich. Ich hoffe, dass er sein Lachen wieder findet. Für ihn ist es wichtig Spaß zu haben auf dem Platz.


SPORT1: Neuzugang James war verletzt und Müller spielte nicht. Jetzt kehrt der Kolumbianer zurück, wird dadurch Müllers Situation nicht noch aussichtsloser?

Pizarro: Das wirkt so. Man müsste in den Kopf von Carlo Ancelotti schauen können. Es gibt nicht so viele Möglichkeiten für Thomas. Ich glaube aber an ihn. Er wird nicht aufgeben oder weglaufen. Die Saison ist sehr lang und es gibt viele Spiele. Er wird noch seine Möglichkeiten bekommen zu zeigen, was er kann. Genauso wie er das in der Nationalmannschaft gegen Norwegen gezeigt hat.

SPORT1: Wird Bayern international Probleme bekommen, wie es einige Experten prophezeien?

Pizarro: Es könnte sein, dass Bayern in der Champions League nicht das Niveau haben wird wie in der Vergangenheit. International hat man etwas eingebüßt gegenüber der Konkurrenz. Teams wie Paris haben sich sehr gut verstärkt und da fehlt Bayern die ganz große Power. In der Bundesliga wird es reichen, in der Champions League denke ich nicht. Ich befürchte, dass man da etwas an alter Stärke verloren hat.

SPORT1: Neue Stärke bekommt der Klub aber durch den neuen Sportchef Hasan Salihamidzic. Ist er der Richtige?


Pizarro:(lacht) Mit Brazzo hatte ich immer eine klasse Beziehung, wir sind richtig gute Freunde. Ich bin gespannt, wie er sich macht als Sportdirektor, ich war selbst überrascht, als ich davon hörte. Das hatte ich nicht im Kopf. Brazzo hat in dem Job zwar keine Erfahrung, aber er ist sehr aktiv und wird Tag und Nacht für Bayern arbeiten. Ich denke es ist nicht gefährlich, er kennt den Verein und das Umfeld. Außerdem hat er Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge im Rücken. Er ist der Liebling von den Beiden. Das ist ein gutes Pfund. Brazzo wird geliebt im Klub und dank dieser Mischung wird mit ihm hoffentlich alles gut.

SPORT1: Wie geht es mit Ihnen weiter?

Pizarro: Ich weiß es nicht. Ich halte mich gerade fit und will unbedingt noch ein Jahr spielen, weil ich 2018 mit Peru bei der WM spielen will. das wäre großartig. Eine WM für mein Land zu spielen habe ich noch nicht geschafft und das wäre ein Traum. Ich denke in Deutschland wird es schwer werden. Es gab für mich auch die Möglichkeit zum Hamburger SV zu gehen, aber als jahrelanger Werder-Spieler kann ich das nicht machen. Das würden mir die Bremer niemals verzeihen.