Pirelli gibt zu: Reifenmischungen für Istanbul sind "ein wenig zu hart"

Maria Reyer
·Lesedauer: 3 Min.

"Wie auf Eis" sind die Formel-1-Piloten am Trainingsfreitag in Istanbul gefahren. Die Freien Trainings auf dem neuen Asphalt wurden zur Rutschpartie. Auch Pirelli sieht sich dafür mitverantwortlich. Denn die Auswahl der Reifenmischungen im Vorfeld sei wohl zu konservativ gewesen.

Der Reifenlieferant ist mit den Mischungen C1 (Hard), C2 (Medium) und C3 (Soft) in die Türkei gereist. Dies sind die härtesten Mischungen der aktuellen Pirelli-Generation. Zuletzt kamen diese Pneus in Portugal zum Einsatz, insgesamt nur fünfmal griff der Hersteller in diesem Jahr zu dieser Variante.

Das Grundproblem: Pirelli hat erst Wochen nach der Nominierung der Reifenmischungen von der Neuasphaltierung der Rennstrecke erfahren. Hätte Mario Isola früher davon erfahren, hätte er wohl die Mischungen C2 bis C4 für das Rennen am Bosporus festgelegt.

Isola dachte: Asphalt müsste jenem in Portimao ähneln

"Wir haben die Information erst sehr spät erhalten", erklärt Isola. "Und wir hatten keine Details zur Beschaffenheit des Asphalts." Die Reifenwahl sei "ziemlich konservativ", wenn man die Bedingungen auf der Strecke in Betracht ziehe, gibt der Pirelli-Motorsportchef zu.

"Ich habe einen Asphaltbelag erwartet, der jenem in Portimao ähnelt - sehr glatt mit Bitumen auf der Oberfläche und der Fähigkeit, Grip mit den Reifen aufzubauen." Stattdessen fanden die Fahrer am Freitag sehr wenig Grip vor - aufgrund einer Kombination vieler Faktoren.

"Temperatur, Feuchtigkeit, Asphaltbeschaffenheit und harte Reifenmischungen", zählt Isola auf. Da die Strecke mithilfe des Streckenbüros von Hermann Tilke neu asphaltiert wurde, jene in Portimao hingegen mithilfe einer anderen Firma (Dromo), geht der Italiener von unterschiedlichen Materialien aus.

<span class="copyright">Glenn Dunbar / Motorsport Images</span>
Glenn Dunbar / Motorsport Images

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Dass die Strecke überhaupt neu asphaltiert werden würde, wurde auch vom Streckenbetreiber selbst erst sehr spät entschieden. "Wir sind sehr gut vernetzt mit der FIA und normalerweise bekommen wir alle Informationen weit im Voraus. Doch in diesem Jahr hat sich das ein wenig schwieriger gestaltet."

Zum Teil aufgrund neuer Promoter, die im regulären Jahr nicht zum Zug gekommen wären, vermutet Isola. "Die Konsequenz davon ist, dass ich erst vor vier Wochen davon erfahren habe, dass wir hier einen neuen Asphalt haben werden. Just bevor die Arbeiten an der Strecke begonnen haben."

Zwar sei der alte Belag sicherlich schon recht alt gewesen, jedoch hätte das nicht automatisch bedeutet, dass dieser nicht mehr gut genug für die Formel 1 gewesen wäre, wirft Isola ein. "Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren, es wurde so gemacht. Wir können daran nichts ändern."

Kein "Drama": Mehr Spannung für das Rennen?

Es sei kein "Drama", betont er außerdem, schließlich stelle die rutschige Oberfläche eine zusätzliche Herausforderung für die Piloten dar. "Und es gibt den Ingenieuren eine zusätzliche Unvorhersehbarkeit. In so einer Situation erhält man manchmal gar besseres Racing", hofft der Pirelli-Chef.

Ironie am Rande: Pirelli ist normalerweise sehr präsent in der Türkei, werden dort in einer Fabrik doch auch Reifen für die Formel 1 produziert. Dennoch sei nicht mehr genügend Zeit geblieben, um die Reifenmischungen für den Grand Prix noch umzuändern.

"Vier Wochen haben nicht ausgereicht, um die Zuteilung zu ändern, da wir die Reifen bereits produziert und geliefert haben. Diese Pneus wurden diesmal in Rumänien hergestellt. Außerdem müssen wir sie nach Didcot bringen, weil die Zuteilung durch die FIA erfolgt."

Trotz der Nähe der Fabrik, die nur eine halbe Stunde Autofahrt von der Rennstrecke entfernt liegt, habe die Zuteilung nicht mehr umgeändert werden können. Zumindest konnte Pirelli Mitarbeiter von der Fabrik auf die Strecke schicken, sobald diese fertig asphaltiert war, um Daten zu sammeln.

Dabei kam heraus, dass der Asphalt sehr glatt sei. "Wir haben gestern noch einmal nachgemessen, der Asphalt ist wenig aggressiv. Wir haben die Entscheidung über die Zuteilung auf der Annahme des Layouts mit Kurve 8 und so weiter gefällt, aber auch auf der Annahme eines rauen Asphalts, so wie dieser in Istanbul immer war."

Daher kommt Isola zur Einsicht: "Es ist jetzt klar, dass die Auswahl ein bisschen zu hart ist für die Strecke."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.