Wer pink will, muss draufzahlen

Bluse reinigen, Haare schneiden, Waxing: Diverse Dienstleistungen sind für Frauen teurer als für Männer. Eine neue Studie zeigt: Unfaire Preisbildung macht auch vor Kindern nicht Halt.

Waschen, Schneiden, Föhnen kostet Frauen in einem Friseursalon 44,50 Euro. Das sind 22 Euro mehr als Männer für eine vergleichbare Dienstleistung bezahlen. Was schwarz auf weiß auf der Preisliste steht, hat einen Namen: Gender Pricing – Preisbildung nach Geschlecht.

Laut einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes werden unterschiedliche Preise für Mann und Frau besonders oft von Dienstleistern verlangt. 381 Dienstleistungen wie die Reinigung von Kleidung und das Geraderücken der Frisur wurden untersucht.

Mehr als die Hälfte von ihnen waren für Frauen teurer als für Männer. Im Schnitt 13,80 Euro. Ist das noch ein berechtigter Preisaufschlag oder schon Diskriminierung?


Ein Drittel der Preise in Reinigungen ist geschlechtsspezifisch. Das Argument des Deutschen Textilreinigungsverbandes: Rüschenblusen zu reinigen, dauere länger als das Einweichen von Männerhemden. Bei dem Argument kommt die Frage auf: Wie viele Frauen haben heute überhaupt noch eine Rüschenbluse im Schrank?

Es klingt wie eine Ausrede, wie ein: Nein, wir diskriminieren doch nicht. Wer allein aufgrund des Geschlechtes einen höheren Preis verlangt, muss nämlich mit Schadenersatzklagen rechnen. Laut des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ist Benachteiligung nach Geschlecht verboten.

Doch es gibt auch Erklärungen, die eher nachvollziehbar sind. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks begründet den Aufpreis für den Damenhaarschnitt mit einem höheren Zeitaufwand. Bis die Kurzhaarfrisur sitzt, dauere es im Schnitt bei Frauen 15 Minuten länger als bei Männern. Ist die Frau allerdings schneller fertig als ihr männlicher Sitznachbar, hat sie Pech gehabt und muss trotzdem drauf zahlen. Insgesamt 89 Prozent der untersuchten Friseure bieten keinen gleichartigen Kurzhaarschnitt zum gleichen Preis an.


Genau das verurteilt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. Dienstleistungen sollten eher nach der „konkreten Art der Leistung“ und nicht pauschal nach Geschlecht angeboten werden. Sie fordert die Branchenverbände auf, sich selbst zur Gerechtigkeit zu verpflichten.

Aber nicht nur Dienstleister, sondern auch Produzenten von Kleidung, Spielzeug und Pflegeprodukten dreht die Studie durch die Mangel. Ungerechtigkeit im Drogeriemarkt heißt umgangssprachlich „Pink Tax“. Der Name trifft das Problem: Rasierklingen in einer rosafarbenen Verpackung kosten bei Aldi 4,49 Euro. Das identische Produkt in blau mit der Aufschrift „For Men“ kostet jedoch bloß 3,89 Euro. Geprüft wurden von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Produkte wie Kinderspielzeug, Bekleidung für Erwachsene und Kinder und Pflegeprodukte.

62 der 1682 untersuchten Produktvarianten wiesen einen Preisunterschied auf, das sind nicht einmal vier Prozent. Ein großer Unterschied zu den Preisen für Dienstleistungen. Höhere Preise gebe es häufiger für Frauen und Mädchen als für Männer und Jungs. So kostet der Badezusatz „Prinzessin Sternenzauber“ mit einer pinken Krone als Deckel von dm 2,95 Euro, während der Badezusatz „Saubär“ 1,75 Euro kostet.


Nun bleibt zu hoffen, dass sich die Branchenverbände des Themas annehmen. Bis es so weit ist, haben Verbraucher die Möglichkeit, auf Schadenersatz zu klagen. Das geht jedoch nur, wenn es wirklich keinen anderen Grund für den Preisunterschied gibt als das Geschlecht. Ist die Produktion des pinken Badezusatzes beispielsweise teurer als die des blauen, schauen Verbraucher in die Röhre.

Kunden, die keine Lust auf einen Streit mit Drogerieriesen haben, können auch einfach die Rasierklingen kaufen, die günstiger sind – egal welche Farbe sie haben.