Pilotversuch fehlgeschlagen: Tierheim in San Francisco mustert Security-Roboter aus

Diese futuristischen Fahrzeuge gehören bereits zum Stadtbild im Silicon Valley. (Bild: knightscope.com)

Er heißt „K9“ und soll in San Francisco für Recht und Ordnung sorgen. Doch weil sich die Beschwerden über diesen Security-Roboter häuften, zog ein Tierheim, das dessen „Service“ nutzte, ihn nun wieder aus dem Verkehr.

Lange dauerte das Experiment nicht an: Die in San Francisco ansässige Tierschutzorganisation S.F. SPCA hatte im November mit dem Einsatz eines „K9“-Roboters begonnen. Die angemietete Maschine sollte auf dem Gelände eines Tierheims für Ordnung sorgen, nachdem es zu zwei Einbrüchen gekommen war. Das Areal war in den vergangenen Monaten zunehmend von Obdachlosen bevölkert worden.

Die autonomen Roboter der Firma Knightscope sind mit Wärmebildkameras, Navigationslasern und einem GPS-System ausgestattet und sollen bei „verdächtigen Aktivitäten“ Alarm schlagen. Der Roboter ist in der Lage, Fotos zu schießen, Videoaufnahmen anzufertigen und Mitarbeiter des Tierheims oder die Polizei zu verständigen, heißt es in der US-Zeitung „Washington Post“. Da es in der Umgebung des Tierheims vermehrt zu kriminellen Delikten gekommen sein soll und die Nachbarn sich immer unwohler gefühlt haben sollen, wurde ein solcher „K9“-Roboter angeschafft.

Anfangs erzielte er auch gute Ergebnisse. So ging unter anderem die Zahl der Autodiebstähle drastisch zurück. Auch das Zeltlager der Obdachlosen, das sich über den Parkplatz und mehrere Gehwege des Geländes zieht, wurde angeblich von Tag zu Tag kleiner. Doch wie die „Washington Post“ berichtet, kam es auch zu einigen Zwischenfällen.

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So haben Unbekannte den Roboter mit Barbecue-Sauce bespritzt, mit Fäkalien beschmiert und mit einer Plane zugedeckt, heißt es in dem Artikel. Eine Person soll den „K9“ auch umgestürzt haben. Offenbar auch, weil viele obdachlose Menschen regelrecht Angst vor ihm gehabt haben sollen, wie ein Mann, der nahe des Tierheims kampiert, zur „New York Post“ sagte: „Wir haben ihn den Anti-Obdachlosen-Roboter genannt.“

Sogar Anwohner sollen sich laut der Zeitung über den elektronischen Security-Mitarbeiter beschwert haben, der offenbar nicht nur auf dem Gelände des Tierheims aktiv war. Auf eine Frau, die mit ihrem Hund nahe des Tierheimes Gassi ging, soll der Roboter zugefahren sein, die Anwohnerin fühlte sich laut „New York Post“ bedrängt und wandte sich mit einem Brief an das Tierheim. Später, heißt es weiter, habe die Stadt San Francisco dem SPCA eine Strafzahlung in Aussicht gestellt, sollte der Roboter weiter ohne Genehmigung auf den öffentlichen Fußwegen unterwegs sein.

Für die Tierschutzorganisation Grund genug, den Einsatz des Roboters zu beenden. Mitte Dezember trennte man sich von dem nicht-menschlichen Kontrolleur. Die Vorsitzende von S.F. SPCA, Jennifer Scarlett, sagte: „Der Pilotversuch mit dem Roboter sollte die Sicherheit auf unserem Campus für Angestellte, Ehrenamtliche, Kunden und Tiere gewährleisten. Ganz offensichtlich ging das nach hinten los.“

Doch grundsätzlich scheint die Stadt Gefallen an den Robotern gefunden zu haben. In San Francisco soll der „K9“ in Zukunft offiziell zum Einsatz kommen. Derzeit berät die Stadtverwaltung darüber, wie viele der autonomen Roboter auf den Bürgersteigen unterwegs sein dürfen. Rein wirtschaftlich betrachtet hat der „K9“ nämlich einen Vorteil gegenüber menschlichem Personal: Er kostet zur Miete lediglich 7 US-Dollar pro Stunde. Der Mindestlohn in Kalifornien liegt derzeit bei 10,50 Dollar.

Kalifornien hat mit rund 120.000 Betroffenen die höchste Obdachlosen-Rate in den gesamten USA.

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