Warnstreik bei Ryanair führt zu Verspätungen - aber nicht zu Flugchaos

Ryanair-Maschine auf dem Flughafen Weeze

Mit einem vierstündigen Warnstreik bei Ryanair hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Druck auf den Billigflieger ausgeübt - ein Flugchaos blieb aber aus. Wie Ryanair am Freitag mitteilte, waren neun der 36 im Streikzeitraum geplanten Flüge verspätet, keiner musste gestrichen werden. Die VC zog trotzdem eine positive Bilanz des ersten Pilotenstreiks in der Geschichte des irischen Unternehmens und schloss weitere Arbeitskampfmaßnahmen nach Weihnachten nicht aus.

Die Gewerkschaft hatte die fest angestellten Piloten bei Ryanair zum Ausstand zwischen 05.00 Uhr und 09.00 Uhr an deutschen Flughäfen aufgerufen. Sie will Ryanair zu Tarifverhandlungen an den Tisch zwingen - schon länger sieht sich Ryanair mit Vorwürfen konfrontiert, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigairlines.

Die Airline sprach von einem "ungerechtfertigten und unnötigen" Arbeitskampf und bat ihre Piloten zur Arbeit, um die Reisepläne tausender Kunden nicht zu gefährden. Nach dem Ende des Streiks erklärte Ryanair, nur neun Flüge seien verspätet gewesen, Annullierungen habe es nicht gegeben, und auch alle weiteren Flüge fänden wie geplant statt.

Bei der Gewerkschaft klang das anders: Der Streik sei erfolgreich verlaufen, erklärte VC. Die Streikbeteiligung sei "sehr hoch" gewesen, knapp die Hälfte der betroffenen Flüge sei deutlich verspätet gestartet. Auf den anderen Flügen habe Ryanair Piloten eingesetzt, die nicht zum Streik aufgerufen waren - etwa Piloten in der Probezeit. Der Druck, den die streikenden Piloten hätten erzeugen wollen, sei "definitiv beim Ryanair-Management angekommen".

Bis einschließlich den 26. Dezember werde es keine weiteren Streiks geben. Danach schloss die VC aber weitere Arbeitskämpfe nicht aus. Ob es nach Weihnachten zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen komme, hänge "ausschließlich vom Management der Ryanair" ab. Sollte die Airline weiter diktieren wollen, wer am Verhandlungstisch sitze, sei eine "weitere Eskalation der Streikmaßnahmen durchaus denkbar".

Sollte Ryanair nun aber "auf Augenhöhe Verhandlungen ohne Vorbedingungen führen" wollen, stehe die VC jederzeit für Gespräche bereit, betonte die Gewerkschaft. Ryanair hatte sich erst kürzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen. Ein erstes geplantes Treffen zwischen VC und Ryanair war laut Gewerkschaft am Mittwoch aber gescheitert. Ryanair dagegen erklärte, der VC nach dem Treffen einen weiteren Verhandlungstermin am 5. Januar angeboten zu haben.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) riet den Streitparteien wegen der anhaltenden Machtprobe und "Kommunikations- und Interpretationsproblemen" zu einem Mediator. Der Warnstreik habe zwar nur "kleinere Nadelstiche" statt massive Flugausfälle verursacht, allerdings drohe der Streit zur Dauerbaustelle zu werden, erklärte das IW. Zum Wohle der Kunden sollten beide Seiten daher die Option eines Vermittlers nutzen.