Nachtreten gegen Ancelotti? Robben wehrt sich

Sebastian Mittag
Arjen Robben (l.) wehrt sich gegen die Darstellung, er habe Carlo Ancelotti Unschönes verbal hinterhergeworfen

Das Kapitel Carlo Ancelotti beim FC Bayern ist beendet.

Nach dem Rauswurf des Trainers erklärte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, dass sich gleich fünf Bayern-Proifs gegen den Italiener gestellt hätten.

Der kicker nennt nun gleich mehrere Gründe, weshalb das Verhältnis zwischen dem Ex-Coach und der Mannschaft zerrüttet war.

Spielerproteste wegen Trainingspensum

Demnach seien Führungsspieler wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Jerome Boateng beim Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge vorstellig geworden, um sich über das geringe Trainingspensum unter Ancelotti zu beschweren. In der vergangenen Saison hätten dies bereits Philipp Lahm und Xabi Alonso getan.

Arjen Robben habe sogar geschimpft, selbst bei seinem Sohn in der D-Jugend des Vororts Grünwald werde besser trainiert.

Robben selbst will Ancelotti aber nicht kritisiert haben. Bei der Ankunft im Teamhotel der niederländischen Nationalmannschaft am Montagabend sagte der 33-Jährige: "Das ist absoluter Unsinn. Ich werde nie gegen einen Trainer oder Spieler nachtreten, der weg ist."

Der kicker berichtet allerdings: Als Ancelotti das Zusatztraining einiger Spieler verbot, hätten die Profis dies eigenständig außerhalb der Säbener Straße fortgesetzt.

Dreiminütiges Aufwärmprogramm

Fitnesstrainer Giovanni Mauri habe sogar in der Kabine geraucht und es teilweise nur bei einem dreiminütigen Aufwärmprogramm belassen.

Auch deshalb sprach der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic gleich nach Amtsantritt ein Rauchverbot aus - das von Mauri (Spitzname in der Mannschaft: "Fitness-Raucher") mit E-Zigaretten umgangen wurde.


Auch habe Ancelotti kaum mit den Spielern geredet, weder persönlich noch zur Mannschaft.

Vor der Pleite in der französischen Hauptstadt hatte der Coach laut kicker erstmals umfangreichere Videoanalysen verordnet, dann aber ganz andere Spieler aufgestellt als dabei besprochen.

In dieses Bild passt auch der Bericht eines Bayern-Insiders, der SPORT1 verriet, Ancelotti habe vor der 0:3-Niederlage bei Paris Saint-Germain lediglich ein Blatt mit den elf Namen der Startaufstellung an die Tafel des Besprechungsraumes geheftet und sei daraufhin ohne ein Wort gegangen.

Vorliebe für Thiago und Co.?

Für Unmut in der FCB-Mannschaft soll auch die angebliche Bevorzugung von Ancelottis Lieblingsspielern Thiago, Javi Martinez und James gesorgt haben.

Im Mannschaftskreis sei sogar davon gesprochen worden, dass "gemeinsame italienisch-spanische Essen die Aufstellung beeinflusst hätten".

Leistungsträger vor den Kopf gestoßen

Auch sonst stieß der Italiener immer wieder Leistungsträgern wie Müller, Boateng oder Franck Ribery durch Nicht-Berücksichtigung in wichtigen Spielen vor den Kopf.

Daher habe Boateng auch ebenso wie Joshua Kimmich im Sommer über einen Wechsel nachgedacht.

Gerade die jüngeren Spieler, wie auch Kingsley Coman, fühlten sich zudem nicht genügend gefördert.


Auf die Frage, ob ihn die schnelle Trennung von Ancelotti überrascht hatte, antwortete Mats Hummels nach dem 2:2 in Berlin am Sonntagabend daher viel sagend: "Ob es schnell war oder nicht, das ist die Frage."

Offensichtlich deutete sich das Aus für den Coach also schon etwas länger an.

Beim Amtsantritt in München wurde Ancelotti als großer Kommunikator gepriesen - am Ende seines Engagements hatte der 58-Jährige nicht mehr viele Fürsprecher im Verein.