Mit Pierre Cardin gegen den Markttrend

Die Ahlers-Gruppe behauptet sich mit ihren Premiummarken im Männermodemarkt. Im vierten Quartal erwartet Vorstandschefin Stella Ahlers wieder einen steigenden Umsatz.


Die Modebranche ist bescheiden geworden. Wer heute keinen Umsatz verliert oder rote Zahlen schreibt, gehört schon zu den Erfolgreichen im Geschäft. So ist Stella Ahlers, Vorstandschefin der gleichnamigen Männermodegruppe froh, dass das Unternehmen seinen Umsatz halten konnte. Die Marken Pierre Cardin, Baldessarini und Pioneer sorgten dafür, dass der Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres bei gut 179 Millionen Euro stagnierte. Im gesamten stationären Bekleidungseinzelhandel sank er hingegen laut der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ in dieser Zeit um drei Prozent.


Ahlers betonte denn auch, dass sich ihr Unternehmen „auf die verändernden Anforderungen des Handels eingestellt“ habe. So verkauft sie Herrenhosen und -jacken oft nicht wie bisher direkt an die Einzelhändler, sondern übernimmt mehr Verantwortung für die Ware. In so genannten Konsignationsgeschäften liefert sie die Ware an die Händler auf Kommission und erhält die Zahlung erst, wenn ein Kunde eine Hose kauft. Außerdem hat sich das Herforder Unternehmen von Marken wie Gin Tonic und dem Geschäft mit Handelsmarken getrennt und konzentriert sich ganz auf seine Premiummarken Pierre Cardin, Otto Kern, Baldessarini und Pioneer.




Die Vorstandschefin, die über eine Beteiligungsgesellschaft die Mehrheit hält, muss sich in einer schwierigen Branche behaupten. Immer weniger Kunden kommen in die Innenstädte, um einzukaufen. Außerdem müssen die Modeunternehmen ihr Onlinegeschäft ausbauen und es eng mit ihrem stationären Geschäft verknüpfen, um ihre Kunden auf allen Kanälen schnell und umfassend bedienen zu können. Manches Unternehmen scheitert angesichts der Herausforderungen, wie zuletzt der Hosenspezialist Gardeur aus Mönchengladbach, der vor kurzem Insolvenz anmelden musste.


Gleichzeitig müssen sich die Modefirmen gegen die Rabattschlachten wehren. Um das zu frühe Verramschen der Ware zu verhindern, hat Ahlers die Auslieferung seiner Herbst- und Winterkollektion verschoben. Dadurch verschiebt sich ein Teil des Umsatzes ins nächste Quartal. Die Vorstandschefin hofft im vierten Quartal wieder auf ein wachsendes Geschäft, außerdem setzt sie auf Online: Der Verkauf über das Internet ist in den ersten neuen Monaten des Geschäftsjahres um elf Prozent gewachsen.


Immerhin kann Stella Ahlers ihre Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr halten. Demnach erwartet sie einen „stabilen Umsatz“ von rund 237 Millionen Euro und ein „moderat steigendes Konzernergebnis“ (Vorjahr:2,5 Millionen Euro). Den Anlegern gefällt das. Die Aktie steigt heute um knapp zwei Prozent auf 6,05 Euro.