Bei Porsche und Piëch greift die vierte Generation nach der Macht

Porsche SE erweitert den Aufsichtsrat – weitere Familienmitglieder ziehen in das Gremium ein. Zudem soll die Dividende erhöht werden.

In den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch beginnt der lange erwartete Generationenwechsel. Die jüngere vierte Generation zieht gleich mit drei neuen Vertretern in den Aufsichtsrat der Porsche SE ein, der Holding-Gesellschaft des VW-Konzerns, in der 52 Prozent der Stimmrechte von Volkswagen liegen.

Ein Sprecher der Porsche SE bestätigte am Freitagabend, dass die Familien die deutliche Verjüngung des Aufsichtsrates beschlossen hätten. Zugleich gibt ein weiterer Vertreter der lange Zeit einflussreichen dritten Generation sein Aufsichtsratsmandat ab: Hans-Peter Porsche, 77, zieht sich aus dem Kontrollgremium der Porsche-Holding zurück.

Der inzwischen innerhalb der Familie isolierte und über Jahrzehnte dominierende VW-Patriarch Ferdinand Piëch, 80, hatte sich bereits im vergangenen Jahr aus dem Aufsichtsrat der Holding zurückgezogen und auch seine Anteile der Porsche SE verkauft. Piëch lebt zurückgezogen in seinem Haus in Wolfsburg. Andere Familienmitglieder hatten ihn Anfang 2015 aus wichtigen Konzerngremien wie dem Volkswagen-Aufsichtsrat verdrängt.

Die letzten beiden wichtigen Vertreter der dritten Generation im Aufsichtsrat der Porsche SE bleiben zunächst Wolfgang Porsche, 74, zugleich der Vorsitzende des Kontrollgremiums, und sein Vetter Hans Michel Piëch, 76.

Wichtigster neuer Vertreter der vierten Generation im Porsche-Aufsichtsrat wird Peter Daniell Porsche, 44, der Sohn von Hans-Peter Porsche. Sein Einzug in den Aufsichtsrat der Familie war schon lange erwartet worden. Er könnte in den kommenden Jahren zu einem der einflussreichsten Familienvertreter im Kontrollgremium werden – vor allem, wenn sich Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch in den nächsten Jahren aus Altersgründen ebenfalls zurückziehen werden.

Für den Familienstamm der Piëchs ziehen außerdem Stefan Piëch, 47, und Josef Michael Ahorner, 57, in den Porsche-Aufsichtsrat ein. Als Vertreter der vierten Generation saß bereits Oliver Porsche, 56, im Aufsichtsrat der SE. Das Verhältnis beider Familienstämme ist fein austariert: Jede Seite bekommt drei Mandate.


Zugleich holen sich die Familien mehr fachlichen Sachverstand in den Aufsichtsrat der Porsche SE. Das Kontrollgremium, in dem bislang fast nur Familienvertreter saßen, wird deshalb deutlich vergrößert. Der Hauptversammlung wird eine Erweiterung des Aufsichtsrates von sechs auf zehn Mitglieder vorgeschlagen. Dafür muss allerdings eine Satzungsänderung beschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Hauptversammlung tagt am 15. Mai in Stuttgart.

Aktuell ist im Aufsichtsrat der Porsche SE nach dem Rückzug von Ferdinand Piëch im vergangenen Jahr ein Mandat unbesetzt. Bis zur ordentlichen Hauptversammlung im Mai soll Günther Horvath, 65, diese Lücke füllen. Ob der Rechtsanwalt, der bis zuletzt bei der Anwaltskanzlei Freshfields tätig war, nach dem 15. Mai eine volle Amtsperiode bekommt, darüber entscheidet die Hauptversammlung.

Seine dauerhafte Berufung dürfte jedoch schon heute als sicher gelten. Horvath hat sich über viele Jahre der Zusammenarbeit das Vertrauen der Familie Porsche erworben. Als Partner von Freshfields im Wiener Büro war bei vielen Transaktionen der Familie beteiligt.

Neu im Aufsichtsrat ist zudem Siegfried Wolf, 60, der vor allem automobilen Sachverstand in den Porsche-Aufsichtsrat bringen soll. Der ausgebildete Ingenieur ist aktuell Verwaltungsratsvorsitzender der Russian Machines Corp. mit Sitz in Moskau, zu der etwa der Autohersteller GAZ gehört. Wolf war lange Jahre Vorstandsvorsitzender beim kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna. Heute sitzt er noch in weiteren Aufsichtsgremien, beispielsweise bei Continental in Hannover.


Ebenfalls neues Mitglied des Aufsichtsrates ohne unmittelbaren familiären Hintergrund wird Marianne Heiß, 45, Finanzchefin bei der Werbegruppe BBDO Deutschland. Sie steigt zu einer der einflussreichsten Vertreterinnen im Volkswagen-Reich auf. Nicht nur bei der Porsche SE, sondern auch beim Volkswagen-Konzern und bei der Tochter Audi soll sie in den Aufsichtsrat einziehen.

Letztes und zehntes Mitglied des Porsche-Kontrollgremiums ist der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner, 71, der bislang schon dem Aufsichtsrat angehörte. Lehner ist übrigens der einzige Deutsche unter den anderen neun Porsche-Kontrolleuren mit österreichischem Pass.

Außerdem schlägt der Aufsichtsrat für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017 eine Dividende in Höhe von 1,76 (im Vorjahr 1,01) Euro je Vorzugsaktie und 1,754 (im Vorjahr 1,004) Euro je Stammaktie vor. Dies entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 538 Millionen Euro an die Stamm- und Vorzugsaktionäre der Porsche SE, nach 308 Millionen Euro im Vorjahr. Die SE profitiert vom deutlich gestiegenen Gewinn der Volkswagen AG, der jetzt auch an die Aktionäre der Porsche SE weitergereicht wird.