Physiotherapie und Bitcoins


Mein Physiotherapeut hat einen tiefen Einblick in die Finanzwelt. Denn seine Praxis liegt am Broadway gleich hinter der Wall Street. Fast alle seine Kunden haben direkt oder indirekt mit Finanzen zu tun.

Und worüber wird in diesen Tagen rund um Weihnachten gesprochen? Natürlich über Bitcoins. Zwischen Elektrotherapie, Muskelaufbau und chiropraktischer Hals-Manipulation ranken sich die Gespräche um die Kryptowährung. Wer investiert hat, welche juristischen Herausforderungen oder welche Alternativen zum Bitcoin es gibt. Da ist der Meniskus und der Lendenwirbel schnell vergessen. Der große Reichtum lockt.


Mein Physiotherapeut ist schon zwei Jahrzehnte im Geschäft. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie sich die Menschen während der Dotcom-Blase vor der Fidelity-Filiale am Broadway sammelten, um den Ticker mit den Aktienkursen zu beobachten. Wenige Monate später fiel alles in sich zusammen. Ja, das war vor Smartphones und natürlich auch vor den Bitcoins. Die rufen die Amerikaner – und nicht nur sie – heute in der U-Bahn auf dem Handy ab.

Ob er selbst schon in die Kryptowährung investiert hat, will ich von meinem Physiotherapeuten wissen. Nein, sagt er. Er hat sich nicht anstecken lassen. Denn er fürchtet, dass er zu spät dran ist. Wenn nicht nur seine Wall-Street-Patienten, sondern mittlerweile jeder von Bitcoin spricht, ist es wohl zu spät. Befürchtet er. 


Als ich ihm erzähle, dass zuletzt auch recht unbekannte Möbelhäuser und Getränkehersteller nur mit der Erwähnung des Wortes „Blockchain“ den Aktienkurs verdoppeln konnten, kommt ihm eine Geschäftsidee: Vielleicht sollte er seine Buchhaltung mit einer Blockchain-Technologie versehen. Dann rennen sie ihm wahrscheinlich die Bude ein. Vielleicht sollte er sich einfach Kryptopraktiker nennen. Und ich versuche es mit einem Bitkort.

In diesem Sinne wünsche ich allen jede Menge Geschäftsideen im kommenden Jahr.