Philipp Lahm als Fußballer des Jahres: Die einzig richtige Entscheidung

Seine Wahl zum Fußballer des Jahres ist ein Schritt in die richtige Richtung.
(Peter Steffen/dpa via AP,file)

Als individuelle Auszeichnung in einer Mannschaftssportart ist die Ehrung als Fußballer des Jahres ohnehin Unsinn. Dass mit Philipp Lahm ein herausragender Fußballer nicht für seine kurzfristige Leistung, sondern für seine Verdienste um den deutschen Fußball geehrt wird, wertet die Auszeichnung auf, nicht ab.

Ein Kommentar von Johannes Kallenbach

Völlig klar: Aus rein sportlichen Gesichtspunkten hat Philipp Lahm den Titel als Deutschlands Fußballer des Jahres nicht verdient. Dafür hätte er noch mal die Champions League mit dem FC Bayern München holen müssen.

Wenn es ums Fußballerische ginge, hätte es mit dem Doublesieger Sami Khedira, aber vor allem mit dem Champions League-Wiederholungstäter Toni Kroos zwei glasklare Favoriten auf die Auszeichnung gegeben – das wurde schon an anderer Stelle treffend erläutert.

Insbesondere Kroos bekommt in Deutschland nicht die Wertschätzung, die er verdient. Mit seinen 27 Jahren hat der Star von Real Madrid schon Titel für drei Karrieren gesammelt – als absoluter Schlüsselspieler beim größten Club der Welt. Kroos fliegt weiterhin unter dem Radar. Korrekt ist das nicht.

Individuelle Auszeichnungen im Fußball sind Mumpitz

Toni Kroos wäre jedoch auch einer der Letzten, die sagen würden, dass sie jetzt dringend mal eine individuelle Auszeichnung verdient haben. Erstens, weil der Ex-Münchner kein solcher Lautsprecher ist, dass er Wertschätzung ständig offensiv einfordern muss. Zweitens, weil Kroos weiß, dass der Einzelne in einer Mannschaftssportart wie dem Fußball genau eines ist: Nichts.

Als individuelle Auszeichnung wäre der Titel als Fußballer des Jahres also genauso hüllenlos wie der unsinnige “Ballon d’Or” oder die “MVP”-Trophäen im US-Sport. Außer, wenn nicht nur die Verdienste in einer Saison, sondern die Verdienste um den Fußball als Ganzes berücksichtigt werden.

Über 15 Jahre auf höchstem Niveau

Womit wir wieder bei Lahm und dem Fußballer des Jahres wären. In diesem Kontext ist die Entscheidung für den Ruheständler nämlich nicht nur nachvollziehbar, sondern die einzig richtige.

Philipp Lahm hat über 15 Jahre konstant gute bis überragende Leistungen erbracht, den größten Verein des Landes und die Nationalelf als Kapitän zum Champions League- bzw. Weltmeister-Titel geführt, die Position des Rechtsverteidigers neu definiert und den deutschen Fußball mit seiner ruhigen, eher strategisch denkenden Art in die Moderne geführt.

Er ist zusammen mit Bastian Schweinsteiger die prägende Figur des deutschen Fußballs in den letzten zehn Jahren gewesen. Da kann man zum Abschluss seiner Karriere auch mal Fußballer des Jahres werden – auch wenn man keine 50 Tore gemacht oder drei Titel gewonnen hat.

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