Philippinen: Marcos Jr. hält Rede zur Lage der Nation

Manila (dpa) - Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und begleitet von Protesten hat der neue philippinische Präsident Ferdinand «Bongbong» Marcos Jr. seine erste Rede zur Lage der Nation gehalten. Dabei schloss der 64 Jahre alte Diktatorensohn weitere Corona-Lockdowns in dem Inselstaat kategorisch aus. «Wir können uns keine weiteren Lockdowns leisten», sagte Marcos Jr. am Montag vor dem Kongress in Quezon City nahe der Hauptstadt Manila. Er war Ende Juni als 17. Präsident des südostasiatischen Landes vereidigt worden.

Auf den Philippinen hatte es unter seinem Vorgänger Rodrigo Duterte einen sehr strikten und langen Corona-Lockdown gegeben. Die Einschränkungen führten zu einer 15 Monate dauernden Rezession und massiven wirtschaftlichen Verlusten.

Kein Wort über Menschenrechte

Der neue Präsident ist der Sohn des verstorbenen Diktators Ferdinand Marcos und der ehemaligen First Lady Imelda Marcos. In seiner Rede sprach Marcos Jr. weder über Menschenrechtsfragen noch über den brutalen Krieg gegen Drogen, wegen dem Duterte bis heute international in der Kritik steht. Dabei sollen Tausende bis Zehntausende Menschen, die wegen Drogendelikten verdächtigt wurden, von Todeskommandos getötet worden sein.

Rund neun Kilometer vom Repräsentantenhaus entfernt versammelten sich am Montag Tausende Demonstranten zu einer Kundgebung. Mehr als 20.000 Polizisten waren im Einsatz. Unter den Protestierenden waren Überlebende des brutalen Regimes von Ferdinand Marcos (1917-1989) und dessen exzentrischer, für ihren Schuhtick bekannten Frau Imelda (93).

Das verschwendungssüchtige Paar hatte einst mit Mord, Folter und dem Verschwindenlassen politischer Gegner von sich reden gemacht. 1986 wurde die Familie vertrieben und floh nach Hawaii. Nach dem Tod von Ferdinand Marcos kehrte die Familie Anfang der 1990er auf die Philippinen zurück.

«Die Rückkehr der Marcos-Familie an die Macht bedeutet nicht, dass das philippinische Volk deren Sünden vergeben hat», sagte Trinidad Herrera Repuno, die unter dem Regime gefoltert und inhaftiert wurde. «Wir alle wissen, dass Wahlen in diesem Land durch Geld, Bestechung, Einschüchterung und Betrug gewonnen werden», beklagte sie.

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